Einblick in ein faszinierendes Handwerk

Jasmin Radel

Von Jasmin Radel

Mo, 09. September 2019

Rheinfelden

Beim Nollinger Schmiedefest können Besucher die Arbeit mit Hammer und Amboss kennenlernen.

RHEINFELDEN. Am Samstag wurde in der Nollinger Dürerstraße rauchend die Steinkohle zum Lodern gebracht, lautstark gehämmert und glühend heißes Eisen in Form getrieben. Unter strahlend blauem Himmel fand im Gebäude der Schmiedezunft neben der Hebelhalle das Schmiedefest statt. Bereits zum zehnten Mal lud die Zunft zu diesem spannenden Spektakel ein.

Seit dem Jahr 2009 steht das "neue" Gebäude der eisernen Handwerker in der Dürerstraße, denn die alte "Häbig-Schmiede" im Oberdorf musste dem Bau eines Mehrfamilienhauses weichen. Unter Denkmalschutz stand damals nämlich nicht das altehrwürdige Gebäude selbst, sondern lediglich – aber zum großen Glück des heutigen Zunftvereins – die gesamte Einrichtung. In mühevoller Handarbeit und mit viel Recherche zu den meist mehr als 100 Jahre alten Kraftmaschinen haben die Vereinsmitglieder diese restauriert und instandgesetzt.

Ein Meisterstück hierbei ist der alte Blasebalg aus dem Jahr 1683. Dieser stammt zwar nicht aus der Nollinger Urschmiede, sondern aus dem Hotzenwald, ist aber dennoch ein wiedereingesetzter, goldwerter Partner bei der Schmiedekunst des heutigen Vereins. Einer, der das Handwerk noch von Schmiedemeister Adolf Häbig persönlich gelernt hat, ist dessen letzter Lehrling Franz Schitterer. Der 79-Jährige liebt und lebt sein Handwerk bis heute und ist in der aktuellen Zunft ein fester Stein im Fundament. Sein Wissen um das Handwerk gibt er stetig weiter. Zusammen mit Georg Götting, einem gelernten Schlosser und studierten Maschinenbauingenieur, führt und wartet Schitterer den fast antiken Maschinenpark.

Der ursprünglich aus Oldenburg stammende Wahl-Rheinfelder Götting ist mittlerweile fast schon ein Kunstschmied und zeigte am Samstag dem hoch interessierten Publikum, wie seine kunstvollen Rosenblüten trotz brachialer Hammerarbeit entstehen und doch filigran anmuten. Für viele Besucher liegt die Vorstellung vom Beruf des Schmieds meist beim Beschlagen von Pferden, doch welche Vielzahl an Dingen durch die Arbeit mit Eisen, Metall, Feuer und Hammer entstehen können, zeigten auch Schmiedewart Gert Lenggeler und der erste Vorsitzende der Zunft, Markus Dreyer, in ihren Vorführungen. Hier wurden die unterschiedlichsten Objekte gefertigt – ob nun handliche Spangen für Holzbalken, geschwungene Kerzenständer oder auch landwirtschaftliche Pflugscharen.

Neben den Einblicken in das Schmiedehandwerk bestaunten die Gäste aber auch die Vielzahl an verschiedenen Werkzeugen, die dafür benötigt werden. Gerade die große Sammlung an Schmiedehämmern, die um den urigen Feuerofen herum ihren Platz hat, zeigt, wie vielseitig das Material be- und verarbeitet und in Form gebracht werden kann.

All die handwerklichen Eindrücke sacken lassen konnte das Publikum im gemütlich gerichteten Biergärtchen hinter dem Gebäude. Dort ließ sich zu allerlei Leckereien vom Grill ein kühles Bier genießen. Wer danach Lust auf Süßes hatte, der wurde in der Kaffeestube fündig.

Das Nollinger Schmiedefest bot für jeden Gast und Geschmack ein Erlebnis und gab den Interessierten viele Eindrücke mit auf den Nachhauseweg. Wer sich näher mit dem Handwerk beschäftigen will, dem bietet die Zunft zweimal im Jahr Kurse an.

Info zu den Kursen gibt es online unter http://www.schmiedezunft-nollingen.de oder direkt bei Markus Dreyer, Tel. 07623/3904.