Azubi gesucht

Elztäler Unternehmen werben bei Job-Start-Börse um Nachwuchs

Tobias Winterhalter

Von Tobias Winterhalter

Di, 12. Oktober 2021 um 16:30 Uhr

Waldkirch

55 Aussteller präsentierten am Montag und Dienstag insgesamt 123 Berufe und duale Studiengänge. Noch bis Mitte November findet außerdem eine virtuelle Börse statt.

"Wir haben heute schon zwei Praktikumsplätze vergeben," sagt Martina Kaltenbach, Ausbildungsleiterin bei Gütermann. "Letztes Jahr waren Praktika aufgrund der Pandemie nicht möglich, jetzt starten wir wieder durch." Auch am Stand steht Fatlind Himaj, kaufmännischer Auszubildender im zweiten Lehrjahr beim Gutacher Nähfadenhersteller, und berichtet von seinem Weg in den Berufsalltag. "Mir macht es sehr viel Spaß, ich habe in meinem Schulfach Übungsfirma das Interesse für den Beruf Industriekaufmann entdeckt."

Virtuelle Messe noch bis zum 14. November

So wie Gütermann stellten am Montag und Dienstag auf der Job-Start-Börse in der Waldkircher Stadthalle 55 Aussteller insgesamt 123 Ausbildungsberufe sowie 66 duale Studiengänge vor. Corinna Binninger, Leiterin des Waldkircher AOK-Kundencenters, hat zusammen mit Lisa Ochs, Projektmanagerin des Badischen Verlags, die Berufsmesse organisiert und hält sie angesichts des Fachkräftemangels für wichtiger denn je. "Es liegt uns am Herzen, dass wir die jungen Leute mit lokalen Betrieben und Ausbildern zusammenbringen, denn es ist uns wichtig, dass wir ihnen Chancen bieten und den Nachwuchs hier im Elztal halten." Weil die Messe 2020 nur eingeschränkt stattfand und auch dieses Jahr 15 Aussteller weniger zugelassen sind, waren die Plätze schnell ausgebucht. Noch bis zum 14. November findet auch eine virtuelle Messe unter jobstartbörse.de/virtuelleMesse statt. "Die Interessenten können sich einfach reinklicken und virtuell die Stände besuchen sowie dort Flyer und Broschüren erhalten," erklärt Lisa Ochs.

Berufschecker-App schlägt Möglichkeiten vor

Zahlreiche Schüler – mehr als 600 waren angemeldet – informierten sich zum Teil mit ihren Eltern über kaufmännische und pädagogische Berufe, Pflege, Industrie, Handwerk sowie Bundeswehr und Polizei, über Bewerbungsanforderungen und Praktikumsplätze. Heiner Gaß vom Ausbildungsservice der Handwerkskammer, die stellvertretend für Handwerksberufe anwesend war, nutzt die Berufschecker-App, um ins Gespräch zu kommen. Die Schüler beantworten fünf Fragen zu Interessen und Begabungen und erhalten eine Auswahl von Berufsvorschlägen. "Viele wissen gar nicht, was es alles gibt." Er unterstrich die Möglichkeiten des Handwerks: "Die Auftragslage ist sehr gut − und zukunftssicher."

"Ich habe nur Jungs, ich würde mir wünschen, dass sich auch mal ein Mädchen bewirbt." Ausbilder bei Pontiggia
Da Fachkräfte Mangelware sind, bilden alle Betriebe selbst aus, viele übernehmen alle Azubis. Besonders bei gewerblichen und handwerklichen Berufen sei die Chance sehr hoch. "Fachkräfte in gewerblichen Berufen wie zum Beispiel der Produktveredler oder Textillaborant findet man auf dem Markt kaum noch," bestätigt Kaltenbach von Gütermann. Auch im Baugewerbe gibt es viele Möglichkeiten: "Ich bin froh um jeden, der kommt," sagt ein Ausbilder der Firma Pontiggia aus Kollnau. "Ich habe nur Jungs, ich würde mir wünschen, dass sich auch mal ein Mädchen bewirbt."

Praktikum, FSJ oder Bundesfreiwilligendienst?

Das Ausbildungsjahr beginnt in der Regel zum 1. September, duale Studiengänge zum 1. Oktober. Die Betriebe raten, sich mindestens ein Jahr im Voraus zu bewerben. Wer für nächsten Sommer noch etwas sucht, sollte sich daher "schnellstmöglich bewerben", sagt Ausbilder Daniel Bumen von der Hummel AG aus Denzlingen/Waldkirch. Viele Betriebe empfehlen zudem Praktika, eine Woche reiche zum Reinschnuppern in einen Beruf meist aus. Die Chance dazu biete sich in der Regel in den Schulferien, in Form von Schulpraktika oder auch selbstorganisiert. Daneben gibt es auch das Freie Soziale Jahr (FSJ), das zum Beispiel Mehr Raum für Kinder gGmbH für pädagogische Kräfte anbietet, oder den Bundesfreiwilligendienst, den die kirchliche Sozialstation nördlicher Breisgau für Pflegeberufe anbietet und der schon ab einem halben Jahr möglich ist.