Steampunks im Steinbruch

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

So, 16. Juni 2019

Emmendingen

Der Sonntag Emmendinger Theater spielt "In 80 Tagen um die Welt" unter freiem Himmel.

Raus ins Freie! Die Open-Air-Saison hat begonnen. Neben Konzerten kann man jetzt auch Schauspiel unter freiem Himmel genießen. Das Emmendinger Theater im Steinbruch startet mit einem Jules-Verne-Klassiker voller Überraschungen.

Phileas Fogg und sein Butler Passepartout. Eine Wette und eine atemberaubende Reise rund um den Globus. Im Heißluftballon, per Schiff und mit der Eisenbahn: Kaum jemand kann sich dem Charme jener Geschichte entziehen, die Jules Verne 1873 in seinem Roman "Die Reise um die Erde in 80 Tagen" erzählt. Mehrfach wurde sie mit Starbesetzung aufwendig verfilmt, füllte in Überlänge ganze Fernsehsonntagnachmittage. Kann man den Klassiker mit seinen zahlreichen Reisestationen auf einer Freiluftbühne inszenieren? "Man kann", sagt Benedikt Bachert, Schauspieler und Regisseur des Sommerstücks im Theater im Steinbruch: "So ein abenteuerliches Reisestück bietet viele Möglichkeiten."

London, der Suezkanal, Bombay, Kalkutta, Hongkong, Yokohama, San Francisco, New York, Liverpool: Für die einzelnen Stationen gibt es keine eigenen Kulissen und dennoch gelingt es Bachert in seiner Inszenierung, die charakteristische Atmosphäre der jeweiligen Orte dazustellen. "Wir haben drei wandelbare Kulissen, die bespielt werden. Je nach Szene verwandeln sich die Schauspieler etwa in Hafenarbeiter, Schiffsreisende, Polizisten oder Gauner." Schauspieler spielen Schauspieler: Was etwas verwirrend klingen mag, ist ein raffiniertes Konstrukt, das Benedikt Bachert schon beim Lesen einer Theaterfassung einfiel: "Wir starten damit, dass eine Gruppe Mimen das Tagebuch des Phileas Fogg findet und beschließt, seine Reise mit verteilten Rollen nachzuspielen."

Im Blickpunkt ist stets die Teegesellschaft im Haus von Lady Ensworth – vom zentralen Spielort schwärmen die 25 Akteure auf den Spuren von Foggs Reise in jeweils passenden Kostümen aus. Eine quirlige Gruppe, der man als Zuschauer sogar beim Umziehen zusehen kann und deren Spielfreude mitreißend ist. Mit einer "riesigen Improvisationstruppe" vergleicht der Regisseur sein Ensemble, das teilweise im coolen Steampunk-Outfit auftritt. "Frisch und frech wie dieser Look soll auch das Stück sein, das die Geschichte, wie man sie kennt, erhält, aber auch viele neue Elemente hat", so Benedikt Bachert.

Zweieinhalb Stunden dauert das Stück mit Spielpause, die wie immer zum Flanieren im beleuchteten Park einlädt. Dort werden sich die Besucher wohl besonders über die unerwartet auftretenden maskulinen Damen amüsieren, die zu den Höhepunkten des Abends gehören. Mehr darf nicht verraten werden, will man sich von der vergnüglichen Emmendinger Neufassung der wohlbekannten Romanvorlage mit ihren skurrilen Figuren überraschen lassen. Auf der Webseite des Theaters erzählt Phileas Fogg übrigens schon in vier extra eingespielten Tonaufnahmen von seinen Reisen.