Empfang für den Star

                 Ulrike Derndinger

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Sa, 16. April 2011

Neues für Kinder

Am Palmsonntag zog Jesus in Jerusalem ein – seine Fans wedelten ihm mit Palmenblättern zu.

Den längsten Ast vom Baum hat Saskia sich ausgesucht. Sie ist hochgekraxelt und hat ihn mit dem Schnitzmesser abgesägt – die Oma hatte wie immer Mordsangst, dass sie runterfällt. Später hat sie mit ihr den Ast mit Papierschnipseln geschmückt. "Cool", findet Saskia das, und noch cooler, dass sie den Ast am Sonntag mit in die Kirche mitnehmen kann.

Als Saskia dann aber am Ende des Gottesdiensts als Letzte aus der Kirche kam, fand sie gar nicht cool, dass der doofe Paul sie einen "Palmesel" genannt hatte. Sie beschwerte sich bei ihrem großen Bruder Julian darüber. Er hatte ihr geholfen, den Ast in die Kirche zu tragen. "Bleib mal locker", sagte Julian. "Dafür hast du die schönere Palme. Und bald ist auch Ostern, dann gibt’s zum Trost Schokolade."

"Ja, ja", moserte Saskia. Ihr schwirrte der Kopf. Äste, Palmen, Palmesel? Und was hatte das mit Ostern zu tun? Sie ließ sich mit einem Seufzer auf die Kirchentreppe plumpsen.

"Das ist gar nicht sooo schwer", sagte Julian, der bemerkte, wie verwirrt Saskia war. "Ostern ist wie einen Schatz finden. Zu ihm führen Spuren. Eine findest du morgen, am Palmsonntag, einen Sonntag vor Ostern. Er heißt so, weil Jesus in die Stadt Jerusalem kommt, und von seinen Fans wird er wie ein Star empfangen. Sie glauben, dass er göttlich ist. Im Fußballstadion wedeln die Fans mit Schals. Die Jesus-Fans wedelten mit Palmenblättern – Schals gab es damals noch nicht." "Du willst mich wohl auf den Arm nehmen!", bockte Saskia. "Nein, du kleiner Esel", neckte ihr Bruder. "Der Esel ist übrigens kein doofes Tier. Er hat immerhin den Star Jesus nach Jerusalem getragen. Wenn du Palmesel genannt wirst, musst du dich für dieses Lob bedanken!" "Pah!", zickte Saskia. Das ging ihr dann doch zu weit. Auch wenn sie nun verstand, dass ihr Ast eine "Palme" ist und dass der Esel einen großen Auftritt hatte.

"Und was dann?", fragte Saskia. Julian raunte: "Nach diesem Sonntag kommen die nächste Spuren am Donnerstag und Freitag und Samstag. Jesus muss sterben. Die Mächtigen mögen ihn nicht, weil er neue Ideen hat, dass man keine Gewalt anwenden soll und so. Sie haben Angst, dass Jesus zu viele Fans bekommt. Am Donnerstag macht Jesus ein Abschiedsessen mit seinen Kumpels, am Freitag nageln ihn seine Feinde ans Kreuz." "Gruselig!", ruft Saskia. "Pscht! Am Samstag liegt er tot in einer Höhle. Aber in der Nacht auf Sonntag weckt Gott den Jesus auf, und er kann aus dem Grab herausspazieren. Das nennt man dann Ostern."

"Juhu!", ruft Saskia, die Gänsehaut bekommen hatte. Dass ein Toter wieder leben darf, ist ein toller Schatz. Und den zweittollsten findet sie an Ostern im Garten: Schokoladeneier und Spielzeug!