Verkehr

Ende 2021 sollen am Hochrhein die Doppelstockzüge fahren

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

So, 03. Januar 2021 um 12:05 Uhr

Rheinfelden

Mit dem Fahrplanwechsel zum Jahresende 2021 werden zwischen Basel und Friedrichshafen Dieselzüge der Südbahn zum Interregio-Express. Das soll Kapazität und Qualität steigern.

Zuverlässigkeit und Bedienqualität auf der Hochrheinstrecke liefern seit Jahren Anlass zur Kritik. Gegen Ende des neuen Jahres aber gibt es Aussichten auf Verbesserungen. Denn mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 ergänzt die DB Regio das Rollmaterial. Hintergrund ist die fortschreitende Elektrifizierung der Südbahn zwischen Ulm und Friedrichshafen, die Ende 2021 in Betrieb geht. Damit, so teilte das Ministerium für Verkehr in Stuttgart mit, werden dort alle Züge elektrisch gefahren. Entsprechend pendeln die Interregio-Expresszüge am Hochrhein künftig nur noch zwischen Basel und Friedrichshafen statt Ulm.

Mehr Lärm machen die Züge nicht

Im Gegenzug will die Bahn auf der Südbahn frei werdende Züge mit Dieselantrieb im Zweistundentakt zwischen Friedrichshafen und Basel einsetzen und einen Teil der Triebzüge der Baureihe 612 ersetzen. Die Züge mit den großen Dieselloks der Baureihe 245, die jeweils drei Doppelstockwagen ziehen, bieten deutlich mehr Kapazität, und zwar 114 Sitz- und 140 Stehplätze pro Waggon. Damit werden auf der Strecke erstmals planmäßig Doppelstockzüge eingesetzt.

Eventuelle Befürchtungen, dass es mit der Rückkehr der Großdieselloks entlang der Strecke wieder lauter und schmutziger wird, sind indes unbegründet. Die Baureihe 245 ist in vielerlei Hinsicht besser als ihre Vorgänger, leiser und fährt auch an, ohne schwarze Rauchwolken abzusetzen. Der Hersteller beschreibt die Loks als abgasoptimiert. Der Unterschied resultiert schon aus der Bauart. Die alten 218er waren dieselhydraulische Lokomotiven, bei denen die Kraft über ein Strömungsgetriebe auf die Achsen umgesetzt wurde. Die 245er sind diesel-elektrisch angetrieben. Dabei werden die vier Dieselmotoren mit jeweils rund 560 Kilowatt nach Bedarf zugeschaltet, sie treiben Generatoren an, deren Strom dann in die Fahrmotoren geleitet wird. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde.

Große Flächen für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder

Die Züge werden für die Strecke zwischen Basel und Friedrichshafen zwar einige Minuten mehr benötigen, denn Doppelstockwagen und Lok verfügen nicht über Neigetechnik und können die Kurven nicht so schnell durchfahren wie die Triebzüge. Dennoch verbessert sich der Komfort. Die Doppelstockwagen haben eine Einstiegshöhe von 55 Zentimetern über Schienenoberkante, also die Höhe, die beim Ausbau der Hochrheinbahn für die Bahnsteigkanten anvisiert wird, so dass die Waggons dann nahezu stufenfrei betreten werden können. Bei den Triebzügen sind derzeit vier Stufen zu erklimmen und wieder hinab zu steigen, was besonders für Reisende mit eingeschränkter Mobilität beschwerlich ist. Die Doppelstockwagen haben im Untergeschoss zudem große Flächen für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder.

Die ab Dezember als Regionalexpress verkehrenden Züge werden im Abschnitt zwischen Basel und Singen durch eine zweite Linie zum Stundentakt verdichtet. Auf dieser verkehren weiterhin die Triebwagen der Baureihe VT 612 mit Neigetechnik, die seit 2018 am Hochrhein im Einsatz sind. Für die Regionalbahnen sind keine Veränderungen vorgesehen, da werden weiterhin die "Talent"-Triebzüge und gelegentlich Triebwagen der Baureihe 641 fahren.