Lenin-Statue

Er hat kein ehrenvolles Denkmal verdient

Max Walter Kinninger

Von Max Walter Kinninger (Freiburg)

Mi, 01. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Neue Lenin-Statue", Agenturbeitrag (Politik, 22. Juni)
Selbst wenn man die momentanen Schleifungen der Statuen historischer Persönlichkeiten nicht vollumfänglich befürwortet, würde man sich zumindest eine kritische Auseinandersetzung mit der öffentlichen Ikonisierungspraxis wünschen.

Daher muss man sich verwundert die Augen reiben, wenn gerade jetzt eine Statue für Lenin als "Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie" aufgestellt wird. Er hat es schließlich geschafft, mit der Oktoberrevolution 1917 die provisorische Regierung Kerenski zu stürzen und damit die Pläne für eine demokratisch legitimierte, verfassunggebende Versammlung im November zunichtegemacht. Da dies nur der traurige Auftakt zu weiteren Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form des "Roten Terrors" war, reicht ein Leserbrief nicht aus, um all die Gründe aufzuführen, diesem Mann, der ganze Bevölkerungsschichten zu vernichten hieß, kein ehrenvolles Denkmal zu errichten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Statue zum Anlass genommen wird, sich erneut mit dem schrecklichen Potenzial der Ideologien des letzten Jahrhunderts zu befassen – sowohl von rechts als auch von links. Max Walter Kinninger, Freiburg