Sexueller Missbrauch

Ermittler zerschlagen Kinderpornografie-Plattform im Darknet

Bernd Glebe

Von Bernd Glebe (dpa)

Mo, 03. Mai 2021 um 14:16 Uhr

Deutschland

BKA-Bundeskriminalamts haben eine der weltweit größten Kinderpornoplattformen im Darknet gesprengt. Vier Männer werden festgenommen.Die Plattform hatte zuletzt mehr als 400.000 Mitglieder.

Nach mehrmonatigen Ermittlungen ist der Polizei die Zerschlagung einer der weltweit größten Kinderpornografie-Plattformen gelungen. Drei Männer wurden in Deutschland festgenommen und ein weiterer Tatverdächtiger in Paraguay gefasst, wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Wiesbaden mitteilte. Die Darknetplattform soll mehr als 400.000 Mitglieder gehabt haben und international ausgerichtet gewesen sein. Unter den geteilten Bild- und Videoaufnahmen hätten sich auch Aufnahmen des schwersten sexuellen Missbrauchs von Kleinkindern befunden.

Ermittler des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatten Mitte April sieben Objekte in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg wegen des Verdachts der bandenmäßigen Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten durchsucht und die drei Männer festgenommen. Zeitgleich sei auf Ersuchen der deutschen Strafverfolgungsbehörden die Festnahme eines weiteren mutmaßlichen Bandenmitglieds in Paraguay erfolgt. Alle vier Beschuldigten haben demnach die deutsche Staatsangehörigkeit.

Hauptbeschuldigte kümmerten sich um die Mitglieder

Bei den drei Hauptbeschuldigten handele es sich um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Kreis Paderborn, einen 49 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Mühldorf am Inn in Bayern und einen 58 Jahre alten, aus Norddeutschland stammenden Mann, der seit mehreren Jahren in Südamerika lebt. Ihnen werde vorgeworfen, die kinderpornografische Darknetplattformen als Administratoren betrieben zu haben, erklärte das BKA. In dieser Funktion sollen sie maßgeblich mit der technischen Umsetzung der Darknetseite, der Einrichtung und Wartung der Serverstruktur und der Mitgliederbetreuung auf der Plattform beschäftigt gewesen sein.

Gegen den weiteren 64 Jahre alten Beschuldigten aus Hamburg bestehe der Verdacht, als einer der aktivsten Nutzer der Plattform mehr als 3500 Beiträge gepostet zu haben, teilten die Ermittler mit. Die Beschuldigten befänden sich aufgrund der Haftbefehle des Amtsgerichts Frankfurt seit Mitte April in Untersuchungshaft, berichteten die Ermittler. Für den Beschuldigten in Paraguay liege ein internationaler Haftbefehl des Amtsgerichts Frankfurt am Main vor. Auf dessen Grundlage soll die Auslieferung des Tatverdächtigen nach Frankfurt erfolgen

Missbrauchsaufnahmen von Jungen

Die Plattform hatte nach Erkenntnissen der Ermittler seit mindestens Juni 2019 existiert und war ausschließlich über das sogenannte Darknet zu erreichen. Dabei sei es vor allem um den weltweiten Austausch von Missbrauchsaufnahmen von Jungen unter den Mitgliedern gegangen. Das kinderpornografische Forum und weitere Chatplattformen wurden laut BKA im Anschluss an die Durchsuchungsmaßnahmen abgeschaltet.

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sprach von einer widerwärtigen Plattform und lobte den Ermittlungserfolg bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. "Hinter jedem Foto und Video verbergen sich entsetzliches Leid und schlimmste Schicksale", betonte die Ministerin. Allen Personen, die diesen Darstellungen einen Markt geben, müsse daher mit größter Konsequenz begegnet werden.
Sexueller Missbrauch von Kindern

Die Zahl der Strafverfahren wegen Verbreitung und Besitzes kinderpornografischer Schriften und Bildern ist 2020 stark angestiegen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Offenburg im Rahmen ihrer Bilanzpressekonferenz mit. Insgesamt seien im vergangenen Jahr wegen solcher Delikte 159 Verfahren eingeleitet worden. Im Vorjahr waren es nur 87 Fälle. Für den starken Anstieg gebe es zwei Gründe: Die meisten Hinweise erhalte die Staatsanwaltschaft aktuell über das Bundes- und Landeskriminalamt von der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation "National Centre for Missing and Exploited Children" (NCMEC). Diese arbeite mit amerikanischen Internetanbietern und Serviceprovidern wie Facebook, Microsoft, Yahoo oder Google zusammen, die über ihre Dienste verbreiteten Daten mittels modernster Filtertechnologien permanent nach Missbrauchsabbildungen scannen. Darüber hinaus gebe es zunehmend Hinweise auf Bilder in sogenannte Schulhofgruppen bei Whats-App. "Solche Hinweise führen in den allermeisten Fällen berechtigterweise zu Ermittlungen und Durchsuchungsbeschlüssen", sagte Staatsanwalt Kai Stoffregen, "eine Einstellung solcher Verfahren kommt in der Regel nicht in Betracht", zumal ein im Deutschen Bundestag anhängiges Gesetzgebungsverfahren den Besitz kinderpornografischer Bilder zum Verbrechenstatbestand hochstufen werde, der zwangsläufig eine Gerichtsverhandlung nach sich ziehe. So sei zu diesem Straftatsbestand auch im kommenden Jahr mit zahlreichen Verfahren zu rechnen.

Mehr zum Thema: