Finanzielle Unterstützung

Erzbistum Freiburg zahlt Missbrauchsopfern bis zu 30.000 Euro

kna

Von kna

Do, 12. Dezember 2019 um 21:02 Uhr

Südwest

Das Erzbistum Freiburg weitet seine Hilfsangebote für Missbrauchsopfer aus. Dazu gehören auch monatliche Zahlungen von bis zu 800 Euro sowie Einmalzahlungen von bis zu 30.000 Euro.

Die entsprechende Ordnung tritt zum 1. Januar 2020 in Kraft, wie das Erzbistum am Donnerstag mitteilte. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, hatte in der kontrovers geführten Debatte um Entschädigungszahlungen Pauschalen in Höhe von 300.000 bis 400.000 Euro in den Raum geworfen. Über eine Regelung kann jedes Bistum selbst entscheiden.

Die von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragte und im September vorgestellte Studie hatte ergeben, dass zwischen 1946 und 2015 im Erzbistum Freiburg mindestens 442 Jungen und Mädchen von 190 Geistlichen missbraucht worden waren.

Das nun in Kooperation mit Betroffenen erarbeitete Modell trage der Tatsache Rechnung, dass Missbrauch berufliche und gesundheitliche Langzeitfolgen haben könne. Zudem will die Diözese Betroffene und deren Angehörige bei der Suche nach einem Therapieplatz unterstützen. Gefördert wird zudem die Einrichtung eines Betroffenenrats.
Gläubige sollen für Missbrauchstaten nicht in Mithaftung genommen werden: Stephan Burger will vermeiden, dass Entschädigungen für Opfer aus der Kirchensteuer gespeist werden.

Ebenfalls zum Jahresanfang treten in allen deutschen Bistümern einheitliche Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in Kraft. Inhaltlich wurde verstärkt die Perspektive der von Missbrauch Betroffenen berücksichtigt. So spricht die neue Ordnung nicht von "Opfern", sondern benutzt durchgängig die Bezeichnung "Betroffene".

Die Regelungen sind zudem stärker juristisch gefasst. Ein Fall wird nicht mehr als "verabscheuungswürdige Tat", sondern als "Verbrechen" bezeichnet. Zudem wird die Verantwortlichkeit der Kirche ausgeweitet; auch Ehrenamtliche und Praktikanten werden als mögliche Täter aufgenommen.