Esst Kühe!

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Sa, 23. März 2019

Theater

"Der Panda-Code": Die politische Kabarettistin Lisa Catena war zum ersten Mal zu Gast im Freiburger Vorderhaus.

Eher schweigsam und nachdenklich tritt man den Heimweg an. Die soeben erlebten eineinhalb Stunden mit der politischen Kabarettistin Lisa Catena, die zum ersten Mal im Freiburger Vorderhaus auftrat, sind nicht eben mal wegzulächeln. Dazu hat diese kluge Frau, Jahrgang 1979, dem Publikum viel zu viele Fragen mitgegeben.

Politische Satire ist ja etwas aus der Mode gekommen. Ob das daran liegt, dass das Publikum heute lieber mit leichter Comedykost oder durch Typenkabarett unterhalten werden mag? Oder daran, dass politische Kabarettisten feststellen mussten, dass ihre bitteren Bilanzen über Missstände in einer Gesellschaft nicht messbar dazu beitragen, dass diese sich bessert? Wie Catena bestätigt, treten Satiriker häufig vor einem Publikum auf, das ihren Beobachtungen und Analysen im Wesentlichen zustimmt – und es somit tendenziell ein verbindendes "Wir hier sind uns einig, dass ihr da draußen Mist baut"-Gefühl gibt. Neudeutsch: Blase.

Ihr freimütiges Bekenntnis am Ende ihres Auftritts, dass es nicht mutig sei, was sie tue, solange sie es nicht vor einem AfD- oder Pegida-Publikum tue, mag man dennoch nicht gerne hören. Die Frage: "Was kann Satire?" ist relevant – aber doch ebenso die Feststellung: Satire ist eine Kunstform und sollte nicht primär nach dem Zweck befragt werden.

Doch zurück zum "Panda-Code", wie Lisa Catena ihr Programm genannt hat. Das Tier hat es der Satirikerin, als Tochter einer Schweizerin und eines Italieners in der Schweiz geboren, angetan. Als Wappentier des World Wildlife Fund for Nature (WWF) löst der Panda bei vielen Menschen ein wohliges Gefühl aus; er sieht niedlich und kuschelbar aus und ist schützenswert. Auch der Laubfrosch bedarf des Menschen Schutz. Aber finden wir ihn niedlich, kuschelig? Eher nein.

Aus diesen Vorüberlegungen spinnt Lisa Catena ein Übertragungssystem – Ordnung hilft ja immer – aus Ländern oder Menschen, die sich verhalten wie Pandas zu Laubfröschen. Klingt kompliziert? Ist es auch. Ein Beispiel für einen Panda wäre das Land Italien, das wegen des Meeres, der Sonne und des Essens von den Deutschen (Laubfrösche) auf der emotionalen Seite sehr geschätzt wird. Dabei habe Italien etwa seine faschistische Vergangenheit nie aufgearbeitet, ein korruptes politisches System und überaus phlegmatische Bewohner. Deutschland hingegen habe sich seiner dunklen Vergangenheit gestellt – und wo es heute etwa Fremdenfeindlichkeit gibt, werden auch immer Willkommenskultur und Demonstrationen dagegen gesetzt.

Die Frage, die sich für Lisa Catena immer stellt: Wie tragfähig sind Zuschreibungen? Was ist Realität, was Meinung? Wie fatal ist es, wenn Fakten und Gefühl nicht mehr unterschieden werden? Muss man dann Klimaschützer dazu auffordern, deutlich mehr Kühe zu essen, denn weniger Kühe produzieren weniger klimaschädliches Methan? Oder muss eine Bundesregierung den Porsche Panamera E-Hybrid steuerlich begünstigen, obwohl dieser maximal 50 Kilometer weit mit elektrischem Strom fährt, bevor er auf Benzin umschaltet? Das sind wirklich gute Fragen, Frau Catena.