Ortenau-Klinikum

Ettenheims Bürgermeister unterstützt das neue Klinik-Konzept – ist aber verärgert über die Vorgehensweise

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Mi, 17. Februar 2021 um 09:15 Uhr

Ettenheim

Der Ettenheimer Bürgermeister Bruno Metz unterstützt das neue Konzept für das Ortenau-Klinikum in Ettenheim. Mit einigen Begleitumständen ist er aber nicht zufrieden.

Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz steht hinter dem neuen Betriebskonzept für das Klinikum in Ettenheim, wie es in der Vorlage für den Kreistag formuliert ist – sofern alle Zusagen eingehalten werden. Skeptisch sieht er allerdings die angestrebte neue Rechtsform des Ortenau-Klinikums und verärgert zeigt er sich über dessen Vorgehensweise. "Mein Misstrauen bleibt aus mehreren Gründen", sagte er.

Bruno Metz hatte sich am Dienstag freigenommen, um mit seinem Enkel die Hochburg zu erkunden. Ganz unbehelligt ist er allerdings nicht geblieben, den ganzen Tag über musste er immer wieder zum Telefon greifen. Das Thema lag auf der Hand: Die geplanten Einsparungen und Umstrukturierungen, die das Ortenau-Klinikum in der kommenden Woche dem Kreistagsausschuss vorstellen wird. Betroffen davon ist das Klinikum in Ettenheim, das früher als geplant den stationären Bereich schließen und dafür andere Aufgaben übernehmen soll (die Badische Zeitung berichtete). Das Ortenau-Klinikum könnte so bis 2030 rund 24 Millionen Euro einsparen.

Bruno Metz, der um den Erhalt des Ettenheimer Standortes kämpft, ist in die Pläne involviert und unterstützt sie grundsätzlich – sofern alle Zusagen eingehalten werden. "Wenn alles kommt, kann ich damit leben", sagt Metz, betont aber ausdrücklich: "Eine Akutklinik wäre mir natürlich lieber."

Nicht zufrieden ist er allerdings mit der Berechnung des Jahresfehlbetrages der Ettenheimer Klinik. Mehrere Faktoren seien nicht zugunsten des Standorts berücksichtigt worden. Zum Beispiel, dass die Chirurgin Charlotte Hase und ihr Team der Abteilung für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie über mehrere Monate am Klinikum in Wolfach ausgeholfen haben. "Es ist in der Vorlage kein Wort darüber zu lesen, wie wir in die Miesen gerutscht sind. Das ärgert mich maßlos."

Hintergrundgespräch mit den Medien

Mächtig angefressen zeigte sich Bruno Metz am Dienstag darüber, dass das Ortenau-Klinikum am Montagvormittag die regionalen Medien zu einem Hintergrundgespräch über die Inhalte der Vorlage eingeladen hatte, er aber davon nichts wusste. Auch seine Bürgermeisterkollegen Kai-Achim Klare (Rust) und Wolfgang Brucker (Schwanau), die zudem Vorsitzende der Kreistagsfraktionen von SPD und CDU sind, seien nicht involviert gewesen. "Jetzt bekommt diese Nummer einen ganz anderen Zungenschlag", sagte Bruno Metz, der durchaus eine Absicht hinter diesem Manöver wittert. Denn die Inhalte der Vorlage sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern sollten zunächst in der nichtöffentlichen Sitzung des Ausschusses behandelt werden.

In dem Hintergrundgespräch haben Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau-Klinikums, und Julian Siefert von der Stabsstelle Agenda 2030 über einzelne Punkte informiert, zugleich aber die Journalisten verpflichtet, nicht aus dem Gespräch zu berichten. Das heißt: Die Journalisten durften zuhören, aber nicht darüber schreiben. Daran hielten sie sich auch. Die Medien – unter anderem die Badische Zeitung – besorgten sich aber die Kreistagsvorlage und berichteten darüber. Dass – so Metz – sei zu erwarten gewesen und liefere dem Landratsamt und dem Ortenau-Klinikum den erneuten und willkommenen Beleg, dass nichtöffentliche Informationen aus dem Kreistag an die Medien weitergegeben werden. Klinikum-Pressesprecher Christian Eggersglüß kommentierte den Vorgang denn auch so: "Bedauerlich ist, dass erneut die konstruktive und notwendige Zusammenarbeit in den Gremien torpediert wird."

Bruno Metz ist gegen eine neue Rechtsform

Mit der angestrebten neuen Rechtsform könnten Landratsamt und Ortenau-Klinikum diese Weitergabe von Informationen stark einschränken. Denn dann gebe es nicht mehr einen Kreistag und Ausschüsse, die mitreden, sondern nur noch zwei deutlich kleinere Verwaltungsräte mit weniger Sitzungen und weniger Öffentlichkeit.

Bruno Metz sieht derzeit aber keinen Grund, die Rechtsform zu verändern. Nachdem sich die öffentliche Hand in Form des Kreistages finanziell so stark in die Krankenhausreform einbringe, sei es dafür nicht der richtige Zeitpunkt. Alle Bereiche seien eng miteinander verwoben: "Deshalb ist es für mich nicht schlüssig, wenn man es jetzt so auseinander differenziert."

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