Lahr im Sucher

Eugen und Rolf Dieterle zeigen Aufnahmen der Stadt aus den 60er-Jahren

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Fr, 11. September 2020 um 22:00 Uhr

Lahr

Im Stadtmuseum sind seltene Fotos von Lahr zu sehen. Gezeigt werden etwa 50 Fotografien, die beispielhaft das Lebensgefühl, die politischen und städtebaulichen Veränderungen in Lahr bebildern.

Der Förderverein Tonofenfabrik Stadtmuseum Lahr hat das Museumsteam um Leiterin Gabriele Bohnert bei der Vorbereitung der Ausstellung kräftig unterstützt: finanziell mit Übernahme von zwei Dritteln der Ausstellungskosten (8000 Euro), und personell mit vielen Arbeitsstunden eines fünfköpfigen Kuratorenteams. Heinrich Caroli, Annemarie Friedrich-Kirn, Doris Hurst, Elisabeth Kempf und Klaus Ohnmacht haben viele Stunden damit verbracht, aus den 40 000 Fotos aus dem Nachlass der Fotografen Eugen (1910 bis 1983) und Rolf Dieterle (geboren 1941) die 50 Bilder herauszusuchen, die nun – stark vergrößert und thematisch gruppiert – im zweiten Stockwerk des Museums präsentiert werden.

Würdigung des Einsatzes als Mannschaftsleistung

Bürgermeister Guido Schöneboom dankte Rolf Dieterle, dem Förderverein mit seinem Vorsitzenden Jürgen Frank, dem Kuratoren- und dem Museumsteam für diese "Mannschaftsleistung", die er als Aufforderung an die Lahrerinnen und Lahrer verstanden wissen will, "sich mit dieser Zeit auseinanderzusetzen".

Ältere Lahrer könnte sich selbst auf den Bildern wiederfinden. Bei einer Schüler-Demonstration gegen eine NPD-Wahlkampfveranstaltung 1968 zum Beispiel, oder in der großen Menschenmenge, die 1961 dem frisch gewählten Oberbürgermeister Philipp Brucker vor seinem Wohnhaus gratulierte.

Vorher – Nachher, dieses Spiel kann man anhand mehrerer Fotos nachvollziehen, oder – bei der Eröffnung – auch live. Die Band IFE United war schon in den 1960ern aktiv und lieferte bei der Eröffnung den zündenden Soundtrack. Ein Fotoalbum und eine Trockenhaube – letztere als Ergänzung zu Bildern von einem Frisurenwettbewerb – laden die Besucher ein, selbst aktiv zu werden. Bei einigen Besuchern werden die Bilder nostalgische Gefühle wecken, vor allem bei den Jüngeren dürfte das Staunen überwiegen. Das "Fräulein vom Amt", das Telefongespräche vermittelte, gab es wirklich. Und Willi Brandt hat 1968 tatsächlich als Unterstützer für den SPD-Landtagskandidaten Karl Dorner auf dem Lahrer Rathausplatz eine Rede gehalten!
Lahr im Sucher

Fotografien aus den 60er-Jahren. Bis 15. November mittwochs bis sonntags geöffnet von 11 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 13. September, finden von 12 bis 16 Uhr stündlich kostenlose Kurzführungen statt. Da die Personenzahl auf neun Teilnehmer beschränkt ist, kann man sich an de e Museumskasse anmelden. Weitere Infos gibt es unter http://www.stadtmuseum.lahr.de

Ein großer Teil der Ausstellung bebildert die nicht unumstrittene städtebauliche Umbruchzeit mit dem Abriss des "Karottenhauses" (heute: Rathaus-Nordflügel mit Bürgerbüro), oder die 1959 erbauten Fünfeck-Häuser in Dinglingen. Die Spuren der Kanadier, die 1967 die französischen Streitkräfte in Lahr ersetzten, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Und als ob Eishockey und American Football nicht schon exotisch genug sind, brachten sie auch noch die Tradition der Christmas Parade mit, von der ein Filmausschnitt zeugt. Auch wer nicht in Lahr aufgewachsen ist, auch wer die 1960er-Jahre nicht miterlebt hat – der Besuch der Ausstellung lohnt sich. Elefanten auf der Kaufhaustreppe, der Rekordversuch eines Fahrradfahrers auf der gerade fertiggestellten Autobahn – bei so manchem Exponat kommt man in Staunen.