Erster Fall im Südwesten

Experten halten tödliche Reinfektion mit Corona für seltene Ausnahme

dpa

Von dpa

Do, 21. Januar 2021 um 14:05 Uhr

Südwest

Eine erste Corona-Infektion hatte der Mann aus dem Schwarzwald überstanden, die zweite aber überlebte er nicht. Der Fall ist tragisch, aber Experten zufolge kein Grund zu größerer Beunruhigung.

Letztes Update von 13.58 Uhr.

"Das ist ein Ausnahmefall, nach dem ich keine Alarmglocken läuten lassen würde", sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, am Donnerstag. Reinfektionen - also eine Ansteckung nach bereits durchgemachter Infektion - seien selten, aber auch nicht ganz ausgeschlossen.

Die bekannten Fälle zeigten, dass Infizierte bei einer ersten Erkrankung nicht immer eine ausreichende Immunität aufbauten und sich erneut anstecken könnten, sagte der Immunologe vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund. Wie viele Antikörper ein Infizierter entwickle, hänge in der Regel mit der Schwere der Erkrankung zusammen. Wer beispielsweise keine Symptome zeige, bilde oft wenige bis keine Antikörper.
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Weltweit sind bislang nur einige Dutzend Fälle von Reinfektionen bekannt. Die meisten registrierten Reinfektionen seien zudem milder verlaufen als die ersten Ansteckungen, wenngleich es auch wenige Ausnahmen gegeben habe, heißt es in der Fachzeitschrift British Medical Journal (BMJ). "Es ist fast sicher, dass die Immunität nach einer milden ersten Infektion nicht lange anhält", zitiert das BMJ den Medizinprofessor Paul Hunter von der britischen University of East Anglia. Unter dem Strich verlaufe eine erneute Infektion aber in der Regel weniger schwer, weil das Immunsystem bereits gerüstet sei.

Mann aus dem Schwarzwald hatte Vorerkrankungen

In Baden-Württemberg war nach Angaben des Landesgesundheitsamtes ein 72-jähriger Covid-Patient aus dem Kreis Freudenstadt gestorben, der zuvor bereits von einer Erkrankung mit dem Virus genesen war. Es ist laut LGA der erste derartige Fall im Südwesten und womöglich auch in Deutschland, der bekannt geworden ist. Nach Angaben des LGA handelt es sich um einen Mann, der im April 2020 erstmalig an Covid-19 erkrankt war. Ende Dezember 2020 habe sich der Mann erneut angesteckt, was Anfang Januar festgestellt worden sei.

Die Chance, dass sich ein Mensch ein zweites Mal mit dem Coronavirus ansteckt, sei bisher sehr gering, sagte auch Stefan Brockmann, der am Landesgesundheitsamt das Referat Gesundheitsschutz und Epidemiologie leitet. Es gebe vereinzelte Fälle, bei denen die Patienten beim ersten Mal nicht genügend Antikörper ausgebildet hätten. Der Mann aus dem Schwarzwald habe Vorerkrankungen gehabt. Es sei daher wahrscheinlich, dass er bei der ersten Infektion keine starke Immunität ausgebildet habe.

"Nur die Impfung wird uns aus dieser Pandemie herausführen" Carsten Watzl
Auch das Robert Koch-Institut hatte zuletzt von nur wenigen Fällen berichtet und darauf verwiesen, dass es zu vielen Fragen noch keine endgültigen Antworten gebe. Bisher vorliegende Studien lieferten eher Hinweise, dass Reinfektionen möglich seien.

Seit Ausbruch der Pandemie untersuchen Wissenschaftler immer wieder Blut einst Infizierter auf Antikörper und andere Abwehrstoffe. Je länger Corona grassiert, desto mehr können sie über den Verlauf sagen. Sicher scheint bislang unter anderem zu sein, dass der natürliche Immunschutz infolge von Infektionen mit der Zeit schwindet. "Nur die Impfung wird uns aus dieser Pandemie herausführen", sagte Watzl.

Nach einem Bericht von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung dürfte der Freudenstädter Fall weltweit erst der dritte bekannt gewordene Todesfall nach einer Corona-Reinfektion sein. Im Oktober war eine 89-jährige Niederländerin verstorben, die allerdings immungeschwächt war. Im Dezember berichtete eine israelische Zeitung, dass dort ein 74-jähriger Bewohner eines Altenheims nach durchgestandener Erstinfektion im August sich erneut infizierte und verstarb.
Die gute Nachricht: Das Zentrale Impfzentrum Freiburg hat noch Impfstoff und kann weiterlaufen. Bis Donnerstagabend sollen rund 17.000 Impfdosen verabreicht werden. Termine bleiben Mangelware.