Gemeinnützigkeit

Fahrdienst der Prestel-Stiftung bringt Senioren mehr Lebensfreude

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 27. Februar 2020 um 14:10 Uhr

Freiburg

Die gemeinnützige Prestel-Stiftung aus Freiburg hat einen 20-köpfigen ehrenamtlichen Fahrdienst auf die Beine gestellt – gegen die Einsamkeit von Senioren und Kranken.

"Wenn es Harald Bernauer und die Prestel-Stiftung mit dem Fahrdienst nicht gäbe, würde ich wohl nur noch allein daheim sitzen", sagt Sigrid Rams. Die 80-Jährige lebt allein in einer kleinen Wohnung in Herdern und ist auf einen Rollator angewiesen. Doch selbst mit der Gehhilfe ist sie so wacklig auf den Beinen, dass sie nicht die Straßenbahn nehmen kann – zu groß ist die Gefahr zu stürzen und zu beschwerlich der Weg von Herdern in die Wiehre.

Denn Sigrid Rams’ Ziel ist das Heinrich-Hansjakob-Haus in der Talstraße 29. Die Einrichtung des Caritasverbands versteht sich als Begegnungs-, Bildungs- und Beratungszentrum für Senioren. "Für mich ist es sehr wichtig, dass ich dort mit anderen zusammen sein und mich unterhalten kann, denn ich bin eigentlich ein sehr geselliger Mensch", berichtet sie. Sie habe große Angst gehabt, mit der Zeit gänzlich zu vereinsamen.

Ehrenamtlicher Vorstand betreut Prestel-Stiftung

Doch das wird nicht geschehen. Dafür ist nun Harald Bernauer da. Der 62-Jährige lebt in Oberrotweil und hat sich bei der Prestel-Stiftung als ehrenamtlicher Fahrer gemeldet. "Ich habe viel freie Zeit und wollte etwas zurückgegeben", erzählt er. Nun fährt er jede Woche einmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Freiburg und holt dort ein Carsharing-Auto von Stadtmobil-Südbaden ab, das ihm die Stiftung gebucht hat. Damit holt er Sigrid Rams ab und fährt sie zum Heinrich-Hansjakob-Haus. Während sie sich dort mit Freunden und Bekannten trifft, wartet Bernauer oder übernimmt weitere Chauffeurdienste. Danach bringt er Sigrid Rams wieder nach Hause. "Ich bin etwa von 10 bis 13.30 Uhr unterwegs", erklärt er.

"Die Idee ist eigentlich simpel", sagt Martina Feierling-Rombach. Die Unternehmerin bildet gemeinsam mit Diana Auwärter den ehrenamtlichen Vorstand der Stiftung. Dabei war anfangs gar nicht klar, dass die Prestel-Stiftung einst einen Seniorenfahrdienst anbieten würde.

Zurück geht die Stiftung auf Walter und Hildegard Prestel aus dem westfälischen Schwelm, wo Walter Prestel einst geschäftsführender Gesellschafter einer Privatbrauerei war. "Ich war dort als junge Frau als Braumeisterin tätig und Herr Prestel war quasi mein Mentor", erzählt Martina Feierling-Rombach. Am Ende ihres Lebens beschlossen Walter Prestel und seine Frau Hildegard, selbst ohne Nachkommen, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen. "Es ergab sich, dass die Prestels schließlich nach Freiburg zogen und ihre Stiftung hier gründeten", so Feierling-Rombach.

Weitere Fahrer werden gesucht

"Wir erhalten Unterstützung von der Caritas-Stabstelle Ehrenamt", sagt Feierling-Rombach. Und auch Angela Huber, Leiterin des Heinrich-Hansjakob-Hauses, und ihr Team seien eine große Hilfe. Neue Fahrer müssten eingewiesen, polizeiliche Führungszeugnisse geprüft und Abholpläne erstellt werden. "Wir sind sehr froh über das Angebot", sagt Huber. Viel Zulauf an Fahrern hat der Stiftung die Aktion "Gute Tat mit Plakat" im Sommer 2019 gebracht. "Doch wir suchen noch mehr Fahrerinnen und Fahrer", so Feierling-Rombach. Viele ältere Mitbürger würden sich über mehr Begegnung sehr freuen.
Weitere Infos gibt es im Internet unter http://www.prestel-stiftung.de.