Damit nichts verkommt

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 30. Mai 2020

Bad Krozingen

Die Foodsharer sind auch im Markgräflerland aktiv und retten Lebensmittel vor der Mülltonne.

Jedes Jahr landen in Deutschland fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Mehr als die Hälfte davon werfen private Haushalte weg. Die Foodsharing-Initiative will möglichst viele dieser Lebensmittel retten. 2012 bildete sich die erste Foodsharing-Community in Berlin, inzwischen ist Foodsharing eine internationale Bewegung mit 395 000 Nutzern und aktiven Lebensmittelrettern geworden. Auch im Markgräflerland hat sich ein Foodsharing-Netzwerk gebildet, an dem schon fast 80 Menschen beteiligt sind.

Bananen, Pfirsiche, Salate, Kohlrabi, Möhren. Das sind nur einige der geretteten frischen Lebensmittel vom letzten Einsatz. "Bei Foodsharing geht es darum, Lebensmittel zu teilen, anstatt sie wegzuwerfen. Wir sind die letzte Instanz vor der Tonne", sagt Anne Kasch. Die 27-jährige Ingenieurin aus Müllheim ist zusammen mit Markus Abel aus Bad Krozingen für den Foodsharing-Bezirk Markgräflerland zwischen Freiburg und Lörrach verantwortlich. Sie repräsentiert als Botschafterin das Netzwerk nach außen, koordiniert neue Betriebskooperationen, führt neue Foodsaver ein und gibt Ausweise aus.

Mit drei Supermärkten in der Region hat der Bezirk Markgräflerland eine Kooperation vereinbart. Lebensmittel, die noch verzehrfähig sind, aber nicht mehr verkauft werden können, werden von einem Foodsaver abgeholt. "Wir kommen noch nach den Tafeln. Im Unterschied zu den Tafeln verteilen wir auch Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist und wir verteilen bedingungslos, nicht nur an Bedürftige.", erläutert Anne Kasch. Die Foodsaver nehmen alle Waren, auch Kleinstmengen.

Wer Foodsaver ist, hat eine Art Schulung mit Quiz hinter sich, er hat sich von einem Botschafter oder einer Botschafterin einweisen lassen, war bei mindestens drei Abholungen dabei und erhält einen Ausweis, der zur Lebensmittelabholung berechtigt. Nicht nur Supermärkte kommen als abgebende Betriebe in Frage, sondern auch Wochenmärkte, Restaurants, Kantinen. Die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Foodsavern sei für beide ein Gewinn: der Foodsaver kann die Lebensmittel retten und etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun, die Betriebe können ihre Lebensmittelabfälle und die damit verbundenen Entsorgungskosten reduzieren. Die Betriebsverantwortlichen werden von zwölf Stammabholern unterstützt, die die sogenannten Rettungseinsätze machen. Verteilt werden die Lebensmittel aktuell noch über private Netzwerke, auch über eine Facebook-Gruppe. Abgabestellen, sogenannte Foodsharing-Verteiler sind geplant.

"Es kommt alles weg", versichert Kasch. Wer selbst überschüssige Lebensmittel hat, weil beispielsweise der eigene Garten oder der eigene Obstbaum eine große Menge an Gemüse oder Früchten bietet, kann seine Überschüsse in sogenannten Essenskörben der Community anbieten. Über die Online-Plattform organisieren die Teilnehmenden die Abholung selbst.

Noch ist das Markgräfler Netzwerk mit 78 Teilnehmenden, die aber nicht immer alle aktiv sind, überschaubar, so Botschafterin Kasch. Sie kennt jeden persönlich. Es sind Menschen aller Altersgruppen dabei, das Miteinander sei sehr familiär und schnell ergäben sich nette Kontakte. Zudem finden regelmäßige Treffen der Foodsaver statt, die zurzeit aber ausgesetzt sind. Geplant waren im Frühjahr auch Infoveranstaltungen in Müllheim und Bad Krozingen sowie ein Kochabend mit geretteten Lebensmitteln über die Volkshochschule in Müllheim.

Wer Foodsharer werden möchte,
registriert sich auf der Internet-Seite https://foodsharing.de/ nimmt an einem Quiz teil, bei dem Fragen zum Foodsharing beantwortet werden und kann sich anschließend aktiv beteiligen. Ab 18 Jahren kann jeder mitmachen.