Volks-PV

Solaranlagen auf dem Balkon werden in Freiburg einfacher möglich

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Fr, 06. Dezember 2019 um 13:59 Uhr

Freiburg

Spezielle Steckdosen und Papierkram: Die Badenova will es einfacher machen, Solaranlagen am eigenen Balkon anzubringen. Die Stadt Freiburg übernimmt pro Anlage die Hälfte der Gesamtkosten.

In Freiburg gibt es zahlreiche Hilfestellungen, die den Weg zur Klimaneutralität ebnen sollen. Die Stadt Freiburg hat verschiedene Angebote und Förderprogramme, aber auch der Energieversorger Badenova engagiert sich, indem er beispielsweise die Installation von Balkonsolaranlagen vereinfachen will. Dadurch sollen auch Mieter in die Lage versetzt werden, Solarenergie zu produzieren.

Eine Balkonanlage muss angemeldet werden, verlangt eine spezielle Steckdose und braucht die Zustimmung des Vermieters. Schließlich greift eine Anlage, die am Balkongitter oder an der Hauswand hängt, in die Ästhetik des Gebäudes ein und muss so angebracht werden, dass sie keine Gefahr darstellt. Viele Vermieter sind daher nicht begeistert von der Idee, zu unklar ist, wie Balkon-PV-Anlagen gehandhabt werden müssen. Dazu kommt die komplizierte Anmeldung der Anlagen. Alles in allem keine gute Aussicht für Mieter, die vielleicht gerne eine solche Anlage hätten, aber nicht die Zeit und die Kraft haben, sich durch den administrativen Dschungel zu kämpfen.

Testprojekt gegen die Angst vor Balkon-Anlagen

Damit sich das ändert, hat Badenova ein Projekt gestartet, in dessen Rahmen einzelne Anlagen getestet werden. Bürokratische Hürden sollen erkannt und abgebaut und Vermietern die Angst vor Balkon-Anlagen genommen werden. Unter Betreuung von Badenova haben einige Interessierte inzwischen Balkon-PV-Anlagen installiert. Dadurch sollten mustergültig die Probleme erfasst werden, auf die Betreiber solcher Anlagen stoßen – und im Anschluss nach Möglichkeit beseitigt werden. Ein erster Schritt ist dabei gemacht: Das Formular, um eine Anlage anzumelden, wurde auf sieben Seiten reduziert, bald soll es nur noch eine Seite lang sein.



Auf der Website balkon.solar können Interessierte sich über die Möglichkeiten und Hürden informieren, Badenova berät, und die Stadt Freiburg fördert die Anschaffung der Kleinanlagen mit 200 Euro, zahlt also etwa die Hälfte der Gesamtkosten. "Wir haben inzwischen täglich zwischen fünf und zehn Anrufe von Menschen, die sich über die Anlagen informieren wollen", sagt Badenova-Vorstandsvorsitzender Thorsten Radensleben. Das zeige, dass das Interesse riesig ist. Nun gehe es vor allem darum, die großen Vermieter – etwa die Stadtbau und die Genossenschaften – zu überzeugen.

Stadtverwaltung setzt auf Dachanlagen

Künftig, so die Hoffnung, sollten Vermieter nicht nur Kleinstanlagen erlauben, sondern sie aktiv anbieten. Denn auf den Balkonen und Terrassen liegt noch ein großes ungenutztes Potential. Dort kann klimaverträglich Strom produziert werden, von dem auch noch die Bewohner selbst finanziell profitieren.

Die Stadtverwaltung setzt derweil stärker auf Dachanlagen. "Für uns ist die Vollbelegung am wichtigsten", sagt Sandra Hook vom Umweltschutzamt. Dazu soll eine Pflicht zu PV-Anlagen in Bebauungspläne aufgenommen werden. Die Stadt berät aber auch kostenlos, unterstützt die erste Steuerberatung nach Installation einer PV-Anlage finanziell, ebenso wie größere Anlagen und Batteriespeicher.

Auch zu möglichen energieoptimierenden Sanierungen berät die Stadt und fördert sie mit Zuschüssen. Das werde viel zu wenig in Anspruch genommen, beklagt Hook. Rund die Hälfte der Mittel für dieses Jahr seien noch übrig. Sehr gut werde dagegen die aufsuchende Beratung der Energiekarawane angenommen, ebenso wie der Stromsparcheck für Leistungsempfänger. Da kann es immerhin einen effizienteren Kühlschrank geben – auf Kosten der Stadt. Denn auch solche kleinen Gesten helfen der Stadt, Strom zu sparen. Und die Betroffenen sparen etwas Geld auf der Stromrechnung.

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