Geschliffene Optik

Die neue Freiburger Unibibliothek wird eröffnet – und polarisiert

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Sa, 18. Juli 2015 um 00:00 Uhr

Freiburg

Ein Koloss aus Stahl und Glas: Sieben Jahre dauerten Abriss und Neubau der Freiburger UB. Jetzt wird sie eröffnet. Ihre Architektur polarisiert. Fest steht: Es handelt sich um keinen 08/15-Bau.

Anton Früh sieht nicht so aus, wie man sich einen Bauingenieur vorstellt. Mit seinem schwarzen Outfit und seinen langen, abstehenden grauen Haaren wirkt er feinsinnig, wie ein Künstler. "Kniffliges machen wir am liebsten", sagt Anton Früh und blickt an der Fassade der neuen Freiburger Universitätsbibliothek (UB) hoch, die in der Sonne glitzert: "Geometrisch war dieses Gebäude knifflig – wahrlich nicht nullachtfünfzehn." Frühs Firma aus Umkirch hat die markanten UB-Fassaden aus Glas und Stahl konstruiert. Sie zählt, zusammen mit den Mitarbeitern einer Tochterfirma in London, 150 Angestellte. Das 100 Jahre alte Familienunternehmen montiert weltweit Fassaden – und zwar keine gewöhnlichen: "Routine ist keines unserer Projekte", sagt der 50-Jährige. Ob das Yachthafengebäude in Monaco, in London eine gewellte Glasfassade für eine Filiale des hippen Modelabels Zara, das britische Finanzministerium oder das Verwaltungsgebäude der Investmentbank Rothschild, das Titanic-Museum in Belfast oder das dänische Architekturmuseum in Kopenhagen – alle Auftraggeber wollen das Exklusive, Herausstechende. Dafür engagieren sie namhafte Architekten: Sir Norman Foster, Renzo Piano oder Rem Koolhaas – und dazu experimentierfreudige Spezialisten wie Anton Früh.

Zukunftsweisende Architektur
Auch für die Freiburger Universitätsbibliothek suchte man etwas Besonderes – eine zugleich schicke und zukunftsweisende Architektur. Wertvolle, jahrhundertealte Werke muss das Haus adäquat aufbewahren können, zugleich soll es aber auch der zunehmenden Digitalisierung Rechnung tragen. 2006 hat man einen Architektenwettbewerb ausgelobt. 15 renommierte Büros reichten Entwürfe ein – am Ende gewann der des Baslers Heinrich Degelo. Er hatte sich für die neue UB keinen Kubus ausgedacht, sondern ein Gebäude mit "kristalliner Form". Mit 15 unterschiedlich großen, unterschiedlich geneigten Fassaden, die zur Hälfte aus oxidierten Edelstahlpaneelen – Früh nennt sie "die dekorative Haut" – und zur Hälfte aus Glas ...

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