Erneuerbare Energien

In einem Projekt wird erforscht, wie kleine private Stromspeicher vernetzt werden können

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Mi, 19. Juni 2019 um 14:45 Uhr

Freiburg

Badenova mit seinem Hauptsitz in Freiburg arbeitet daran, das Potential kleiner Stromspeicher in Deutschland über den Privatgebrauch hinaus zu nutzen. Das System könnte das einer Cloud ähneln.

Ein Knackpunkt bei der Stromerzeugung mit Wind- oder Solarenergie ist die Speicherung des Stroms, der nicht sofort genutzt wird. Im Mai hat der Energieversorger Badenova in Opfingen einen großes Batteriespeicher in Betrieb genommen. Das Unternehmen arbeitet aber auch an einer Lösung, die dezentral funktioniert: Viele kleine Batterien werden zu einer Cloud zusammengeschlossen.

In Deutschland gibt es rund 100.000 kleine private Speicher

Auf ihrem Haus in Günterstal hat das Ehepaar Zimmermann eine Photovoltaikanlage. 32 Module erzeugen Strom, der den Verbrauch des Hauses fast deckt. Ein Teil geht in den Hybridwagen und damit auch die Nacht überbrückt werden kann, haben die Zimmermanns eine Batterie in der Garage angebracht. Zimmermann kann recht leicht regeln, was Priorität haben soll: die Batterie, das Auto, die Einspeisung ins Stromnetz.

Rund 100.000 solcher kleiner privater Speicher gibt es in Deutschland, erklärt Malte Thoma, Leiter des Projekts Invade bei der Badenova. Und jedes Jahr kommen gut 30.000 neue dazu. Wie sich dieses Potential auch über den Privatgebrauch hinaus nutzen lässt, will Badenova im Verbund mit zwölf Partnern aus ganz Europa erforschen.

Produzierte Energie soll sinnvoller verteilt eingesetzt werden

Hier kommt die Batterie der Familie Zimmermann ins Spiel. Sie ist nun an die Plattform des Invade-Projekts angeschlossen. Sämtliche Daten werden dort gesammelt und anhand derer ein optimaler Einsatzplan der Batterie erstellt. Optimal nicht nur für die Bedürfnisse der beiden Besitzer, sondern auch für das Netz von Badenova. "Wir wollen damit die Spitzenlasten in Freiburg reduzieren", sagt Thoma. Denn gerade wenn auf einmal viel Strom benötigt wird, geht die Nachfrage besonders ins Geld. Statt also die Kapazität auszubauen, soll das Projekt dazu dienen, schon produzierte Energie sinnvoller verteilt einzusetzen. "Intelligenz statt Kupfer", sagt Thoma.

"Ich denke, dass wir als lokales Unternehmen hier auch was den Datenschutz angeht, Vertrauen genießen." Vorstandsvorsitzender Thorsten Radensleben
Perspektivisch könnten viele kleine Stromspeicher zu einem großen Schwarmspeicher zusammengeschlossen und vermarktet werden, ähnlich wie bei Computerservern die Cloud. Auch dort ist die Kapazität dezentral organisiert. Auf dem Computer kann Zimmermann genau nachvollziehen, wie seine Solaranlage arbeitet. Wann beginnt sie, Strom zu erzeugen und wie viel, was davon verbraucht er im Haushalt, was verbraucht das Auto, was geht in den Speicher? All das lässt sich problemlos auslesen. Diese Daten gehen nun auch an Badenova. "Ich denke, dass wir als lokales Unternehmen hier auch was den Datenschutz angeht, Vertrauen genießen", sagt Vorstandsvorsitzender Thorsten Radensleben. "Wir wollen eben kein Geld mit Daten verdienen wie andere Konzerne."

Zimmermann sparte knapp zehn Tonnen CO2

Seit Februar 2018, seit er das genau messen kann, hat Zimmermann mit seiner Anlage knapp zehn Tonnen CO2 eingespart. Fast so viel, wie ein durchschnittlicher Deutscher im Jahr verbraucht. Seit er am Invade-Projekt teilnimmt – also seit drei Monaten – hat er knapp 2.300 Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist und 215 Kilowattstunden bezogen. Im Jahresschnitt liege die Autarkiequote der Anlage bei 80 Prozent. Das heißt, etwa 80 Prozent des Stroms, das der Haushalt verbraucht, wird selbst produziert, nur 20 Prozent muss zugekauft werden.

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