Leichen im Keller

Heiko Wegmann

Von Heiko Wegmann

Sa, 14. November 2009

Freiburg

Die Freiburger Universität verwahrt ein makabres Erbe: Schädel aus der Kolonialzeit. Mit der Rückgabe hat sie es nicht eilig.

Auf den ersten Blick sehen die langen Regale harmlos aus, die in einem Keller der Freiburger Universität stehen, bestückt mit sauberen weißen Kartons. In ihnen allerdings lagert ein makabres Erbe: 1600 menschliche Schädel. Sie tragen den Namen Alexander-Ecker-Sammlung. Viele Besucher sind es nicht, die den Weg in diesen kühlen, hellgelb gefliesten Raum im Kollegiengebäude II finden. Bevor die neuen Kartons angeschafft wurden, musste man wohl den Atem anhalten, denn die meisten Schädel lagen einfach offen herum. An manchen hängen Zettel, manche sind von Hand beschriftet. Unter ihnen sind auch zwölf Schädel aus der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, die während der deutschen Kolonialzeit (1884 bis 1919) beschafft wurden. Letztes Jahr waren sie – neben 47 Schädeln aus Südwestafrika, die im Medizinhistorischen Museum der Charité in Berlin lagern – Thema einer ARD-Reportage, die in Deutschland und Namibia Nachdenklichkeit, Staunen und Bestürzung hervorrief.

"Nachdem der Beitrag gesendet war", berichtet der namibische Botschafter in Deutschland, "versicherte uns der Vorstand der Charité, eine eigene Recherche eingeleitet zu haben, um die Herkunft der in ihrer Sammlung befindlichen Schädel zu bestimmen." Seine Behörde hatten Proteste und Solidaritätsbekundungen von Zuschauern und einigen deutschen Nichtregierungsorganisationen erreicht. "Darin", so der Diplomat, "wurde Empörung besonders über die Verschleppung dieser für einige Menschen in Deutschland durchaus bekannten Angelegenheit zum Ausdruck ...

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