Bürgerentscheid Dietenbach

Leidenschaftlich, aber sachlich-fair: Die BZ-Debatte zu Dietenbach

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 21. Februar 2019 um 18:06 Uhr

Freiburg

Die Debatte war leidenschaftlich, aber sachlich-fair: Befürworter und Gegner des geplanten Stadtteils Dietenbach diskutierten am Mittwochabend in der Stadtredaktion der BZ live vor Online-Publikum.

Vier Tage vor dem Bürgerentscheid zum geplanten Stadtteil Dietenbach diskutierten am Mittwochabend Befürworter und Gegner des Projekts bei einer Veranstaltung der BZ, die live gestreamt wurde. In der Freiburger Stadtredaktion plädierten Manfred Kröber von der Aktion "Rettet Dietenbach" und Martin Linser von der Bürgerinitiative "Pro Landwirtschaft und Wald" gegen Dietenbach. Für den neuen Stadtteil sprachen sich Reiner Braun vom Berliner Forschungsinstitut Empirica und Rüdiger Engel, Leiter der städtischen Projektgruppe Dietenbach, aus. Als unabhängiger Experte diskutierte Marco Wölfle, Professor für Immobilienwirtschaft an der Deutschen Immobilien-Akademie der Uni Freiburg mit.

Es war eine leidenschaftliche, aber sachlich-faire Debatte mit grundsätzlich unterschiedlichen Meinungen, aber auch Gemeinsamkeiten. Sehr unterschiedlich bewerteten Kröber und Engel das Potenzial der Alternativen, die die Gegner vorlegen: Dachaufstockungen, Überbauung bereits versiegelter Flächen und Ähnliches. Kröber sprach von "Tausenden von Wohnungen", die schnell generiert werden könnten. Dem widersprach Engel: "Die Erfahrungswerte, die wir in den vergangenen Jahren gesammelt haben, deuten auf deutlich weniger Wohnungen hin."

Überbauung ist auch eine Frage des Preises

Auch Wölfle glaubt nicht, dass dauerhaft eine nennenswerte Zahl von Wohnungen damit zu schaffen sei – die Zahlen von Zuzügen plus Geburten (25.000 in den vergangenen zehn Jahren) sprächen dagegen. Wölfle zu Kröber: "Es wird auch eine Frage des Preises sein. Sie sprechen da in der Innenverdichtung über Baukosten, die sich verdoppeln werden. Preiswerte Wohnungen gibt das nicht." Bei Dietenbach müssten nicht nur die Mieten günstig sein, auch dürften Immobilien später nicht verkauft werden.

Linser und Kröber artikulierten ihr Unbehagen an immer mehr Wachstum. "Wir können mit der Flächenversiegelung nicht mehr so weitermachen", so Linser, "wir müssen neue Wege beim Bauen im Bestand gehen." Man müsse kleinteilige Landwirtschaftsbetriebe, wie es sie in Dietenbach gibt, schützen und regionale Lebensmittel vor Ort produzieren.

"Wir brauchen Badewannen voller neuer Wohnungen, nicht nur ein Nasenwässerle." Reiner Braun
Reiner Braun setzte die Prioritäten anders: "Wir brauchen Badewannen voller neuer Wohnungen, nicht nur ein Nasenwässerle." Werde Dietenbach nicht gebaut, war er überzeugt, würden weiterhin Familien aus der Stadt getrieben. Engel stimmte zu. Man dürfe sich zwar nicht der Illusion hingeben, dass Dietenbach zum Nulltarif zu haben sei, "doch wir müssen die Stadtbau und viele kleine Player an den Start bekommen, dann ist bezahlbarer Wohnraum möglich".

Die BZ-Debatte zum Nachschauen:



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