Freiburger Initiative erinnert an Brasilien

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 08. April 2020

Freiburg

Verein mit Sitz im Stadtteil Vauban möchte zu Spenden für Wohnungslosenbewegung anregen.

FREIBURG (anb). So angespannt die Corona-Situation auch hier derzeit ist – in Brasilien sind jetzt erst recht viele auf Hilfe angewiesen. Daran erinnert Günther Schulz von der Brasilieninitiative Freiburg, der regelmäßig in Brasilien ist und dort vor einiger Zeit Guilherme Boulos interviewt hat, den Mitbegründer und Vorsitzenden der Wohnungslosenbewegung Movimento dos Trabalhadores Sem Teto (MTST, übersetzt: Bewegung der Arbeitenden ohne Dach über dem Kopf).

Laut der MTST gibt es derzeit rund 40 000 wohnungslose Menschen, mit stark steigender Tendenz, sagt Günther Schulz, der in Vauban lebt, wo die Brasilieninitiative auch ihren Sitz hat. In prekären Wohnverhältnissen leben laut Guilherme Boulos sogar 7,7 Millionen Familien, zusammen mehr als 30 Millionen Menschen: Dazu gehörten unter anderem alle in den Armenvierteln, den Favelas, und viele, die wegen ausstehender Mietzahlungen kurz vor der Räumung stehen. Alles habe sich verschärft, seit Präsident Jair Messias Bolsonaro an der Macht sei, dessen Corona-Politik scharf kritisiert wird.

Angesichts der bedrohlichen Zustände habe die MTST bei der Brasilieninitiative um Hilfe gebeten, so Schulz. Ziel sei, hunderte Freiwillige der MTST dabei zu unterstützen, in ganz Brasilien Lebensmittel und Hygieneartikel zu verteilen. Als Folge der Corona-Krise hätten die meisten ihre Jobs verloren und bekämen auch keine Almosen mehr. Der katholische Priester Julio Lancelotti und Diego Melo vom "Solidaritätsdienst der Franziskaner" hätten berichtet, dass durch den Ansturm auf die Essensausgaben die Portionen schon hätten verkleinert werden müssen. Über ihren Mailverteiler habe die Brasilieninitiative mehr als 2000 Brasilien-Interessierte bundesweit erreicht, sagt Günther Schulz. Er hofft auf viele Unterstützer. Mehr Infos: Tel.  0761/ 5562572, http://www.brasilieninitiative.de