Gemeinderat soll entscheiden

Freiburger Stadtverwaltung will eine Wohnungstauschbörse einrichten

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Fr, 06. November 2020 um 10:36 Uhr

Freiburg

Familien suchen mehr Wohnfläche, ältere Bürger hätten lieber eine kleinere Wohnung. Mit einer Wohnungstauschbörse will die Stadt in solchen Fällen vermitteln. Ein Anreiz: 2000 Euro Umzugshilfe.

"Zielgruppe der Tauschbörse sind vor allem Familien mit Kindern, die sich mehr Platz wünschen und Senioren und Seniorinnen, die nach dem Auszug ihrer Kinder in vergleichsweise großen und oft nicht barrierefreien Wohnungen leben", heißt es der Vorlage, die der Freiburger Gemeinderat am Dienstag beschließen kann, Anfang 2021 könnte es losgehen. Natürlich seien noch andere Szenarien denkbar, erläutert Sabine Recker, Leiterin des Referats für bezahlbares Wohnen, aus deren Haus die Vorlage kommt. "Beispielsweise in Folge einer Scheidung, wenn ein Partner mit Kindern die Wohnung verlässt."

Über den im Netz aufrufbaren Service sollen Bedürftige ihre Wohnung zum Tausch anbieten können. Als Anreiz will die Stadt der Partei, die die größere Wohnung verlässt, 2000 Euro für die Umzugskosten zahlen. Derzeit führt das Rathaus Gespräche mit dem Seniorenbüro und dem Quartiersmanagement, die das Angebot bekannt machen und auch bei der Anwendung helfen könnten.

Bei der Konzeption der Börse haben sich die Mitarbeiter des Referats für bezahlbares Wohnen mit Vertretern der Stadtbau, der Wohnungsbaugenossenschaften und der Eigentümervertretung Haus & Grund zusammengesetzt. Vorreiter in anderen Städten gibt es bisher angeblich nicht. "Potsdam hat es in ein Programm mit aufgenommen, Tübingen prüft", sagt Sabine Recker, "aber Erfahrungen gibt es noch nicht, das ist für alle Neuland".

Bundesweit agiert allerdings das kommerziell betriebene Portal Tauschwohnung.com der Firma swap-me – und der möchte das Rathaus auch die Entwicklung des städtischen Portals überantworten. Im aktuellen Haushalt stehen 30 000 Euro für das Programm bereit, davon entfielen 10 000 Euro für den Web-Dienst, die verbleibenden 20 000 Euro stehen für die Umzugshilfen zur Verfügung.

"Wenn wir zehn bis 15 Wohnungen vermitteln, wäre das schon ein Schritt in die richtige Richtung" Sabine Reckert
Woraus sich ablesen lässt, in welchem Bereich nach Ansicht des Rathauses die Zahl der erfolgreichen Vermittlungen während der einjährigen Pilotphase liegen kann. "Wenn wir zehn bis 15 Wohnungen vermitteln, wäre das schon ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Sabine Recker. Bei der städtischen Wohnungsgesellschaft Stadtbau läuft ebenfalls ein Pilotversuch, auch hier winkt finanzielle Unterstützung beim Umzug. In zwei Jahren konnte man bislang acht Wohnparteien einen Umzug vermitteln. Für zehn weitere Interessenten suche man noch nach passenden Wohnungen, sagt Sprecherin Marion Uerlings.