Amica

Freiburger Verein setzt sich gegen sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe ein

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Mi, 12. Juni 2019 um 19:29 Uhr

Freiburg

Seit mehr als 25 Jahren steht der Verein Amica für Frauen in Krisenregionen ein. Die rund 120 Mitglieder machen auf Themen aufmerksam, die in der Gesellschaft sonst niemand gerne hört.

Mit einem sperrig getitelten Aktionstag treten die drei Neuen im Team des Vereins Amica auf: Der 19. Juni ist der "Welttag zur Beseitigung sexueller Gewalt in Konflikten". Der rührige Verein veröffentlicht einen Spendenaufruf aus diesem Anlass. Im Gespräch beschreiben alle drei Neuen genau diesen Anlass auch als das zentrale Anliegen von Amica: Schluss mit sexualisierter Gewalt als Kriegswaffe – die in den allermeisten Fällen gegen Frauen eingesetzt wird.

Drei Positionen im Verein sind neu besetzt

Seit Januar ist die Ethnologin Cornelia Grothe, 37, neue Geschäftsführerin. Die ukrainische Geografin und Politologin Natalia Schaaf, 31, ist Referentin für die Ostukraine und neu ist nun auch die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Gaelle Dietrich, 35, als Pressereferentin. "Es ist großartig, dass Amica es seit gut 25 Jahren schafft, sich in dieser Haltung und Tradition immer wieder stabil und frisch aufzustellen", sagt Cornelia Grothe, "für die Selbstbestimmtheit von Frauen in Krisengebieten, und gegen Vergewaltigung als Kriegswaffe."

Vor 25 Jahren war mit dem ersten Bosnien-Hilfseinsatz die sexuelle Gewalt in Kriegsgebieten der Ausgangspunkt für das Engagement von Amica gewesen. Aus dem beeindruckenden ehrenamtlichen Einsatz der Gründergeneration wurde schon bald eine professionelle Organisation. Die aber ist nach wie vor in bürgerschaftlichem Engagement verankert – unter anderem stammt ein Großteil der Finanzierung aus Spenden.

Amica begleitet traumatisierte Frauen langfristig

Ein ehrenamtlicher Vorstand, etwa 120 Mitglieder und ein siebenköpfiges Team machen von Freiburg aus möglich, was in derzeit vier Einsatzregionen mit Partnerorganisationen an Projekten umgesetzt wird – in Libyen, Libanon, Ukraine – und nach wie vor in Bosnien. Was als humanitäre Hilfe vor 25 Jahren im soziokulturellen Zentrum "Fabrik" startete, wurde in die Zeit getragen.

Das zeichnet Amica aus, erklärt Gaelle Dietrich: "Während die traumatisierten Frauen und Familien in Kriegsregionen bald aus dem Blick geraten, bleiben wir wenn nötig auch über Jahrzehnte dabei in dem Prozess der Stabilisierung." Die Arbeit von Amica reicht von der Soforthilfe über Modellprojekte der psychosozialen Hilfe bis zur Begleitung bei der Rückkehr von Vertriebenen in ihre Heimat und der Weitergabe ihres Wissens und ihrer Erfahrung an Frauen aus anderen Regionen.

Natalia Schaaf kann von den Erfahrungen aus den bestehenden Einsatzgebieten bei der Arbeit in der Ostukraine etliches Knowhow übernehmen, um mit mobilen Einsätzen Frauen und Mädchen in der sogenannten Pufferzone zu unterstützen: "Wir sehen uns auch als Botschafterinnen für die Frauen und Mädchen aus dieser Region, in der bewaffnete Männer auf den Straßen unterwegs sind – und in der es keinerlei Schutz-Infrastruktur gibt."

Themen rund um Kriegsgewalt gegen Frauen hört niemand gerne

Wie sehr Frauen und Familien unter Krisen und Kriegen leiden, müsse auch hier interessieren, betonen die Amica-Frauen. Sie gelten bundesweit und auch international als gesuchte Expertinnen, denn sie sind nahezu täglich in Kontakt mit den Projektpartnerinnen vor Ort: "Wir haben für unsere Einsatzregionen immer die aktuellsten Einblicke." Zugleich ist das Team in Freiburg eine Art Drehscheibe für die Arbeit vor Ort.

Schwierig finden die drei Neuen nur eines: "Diese Themen rund um Kriegsgewalt gegen Frauen und Familien will niemand gerne hören." Ansporn ist ihnen darum die gute Unterstützung für die Amica-Arbeit seit Jahrzehnten. Die wollen sie aufrecht erhalten und so irgend möglich ausbauen. Denn nach wie vor sei insgesamt unterbelichtet, wie schwer und nachhaltig Frauen unter Kriegsgewalt leiden: "Da brauchen wir wie unsere Vorgängerinnen und wie unser ganzes Team einen langen Atem!" Und über Projektgelder hinaus immer auch Spenden.
Ausführliche Infos zur Arbeit von Amica: www.amica-ev.org.