Ortsbesuch

Freude hier, Existenzangst dort: Die Stimmung vor dem Aus von Fessenheim

Bärbel Nückles, Annemarie Rösch

Von Bärbel Nückles & Annemarie Rösch

Mi, 19. Februar 2020 um 11:45 Uhr

Südwest

BZ-Plus Fessenheim – kaum ein Ortsname am Oberrhein polarisiert mehr. Nun geht das Kernkraftwerk, gegen das vor allem in Südbaden lange protestiert wurde, vom Netz. Auf der anderen Flussseite sprechen Beobachter von einer Dummheit.

Die Dörfer ähneln sich: Spitzgieblige, schmale, ein- und zweistöckige Häuser säumen die Straßen in Fessenheim und Hartheim. Sie sind so typisch für die Dörfer im Rheinvorland. Um den Ortskern herum reiht sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus, gepflegte Vorgärten, Mittelklassewagen davor. Die Straße zwischen beiden Orten – Hartheim in Südbaden, Fessenheim im Elsass – führt an frischgepflügten Äckern und Auenwäldern vorbei über den Rhein.

Nur die vielen Strommasten stören die Idylle. Sie enden beim Atomkraftwerk Fessenheim, auf elsässischer Seite am Rheinkanal gelegen. Am 22. Februar wird Reaktor eins abgeschaltet, im Juni dann der zweite. Das Akw ist das älteste noch laufende in Frankreich – und stand wegen der Sicherheit oft in der Kritik. So ähnlich sich die Dörfer sind, die Stimmung der Menschen diesseits und jenseits des Rheins könnte wenige Tage vor dem historischen Aus des Akw nicht unterschiedlicher sein.
Hintergrund: Der Fessenheim-Abriss wird eine Mammutaufgabe
Es ist ein ungemütlicher Februartag. Claude Brender steht auf dem Grünstreifen am Dorfrand von Fessenheim. Gleich wird es regnen. Ein Journalist aus Paris lichtet ihn ab, bevor die ersten Tropfen fallen. Brender, Bürgermeister von Fessenheim, lächelt tapfer in die Kamera. Hinter ihm verschmilzt das Atomkraftwerk über den Feldern beinahe mit dem trüben Horizont. Ganz Frankreich schaut in diesen Tagen auf das Dorf im Elsass. Zum ersten Mal wird ein Atomkraftwerk gegen den Willen des Betreibers Electricité de France (EdF) stillgelegt. "Es ist eine politische Entscheidung", sagt Brender und schüttelt den Kopf – als könne er noch immer nicht begreifen, dass das Akw bald Geschichte sein wird. Seit 2014 ist der Konservative Bürgermeister. Er konnte die Stilllegung nicht abwenden.

"Es ist ...

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