Corona-Fasnacht

Für den Lörracher Obergildenmeister ist es ein trauriges Narrenbaumstellen

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 08. Januar 2021 um 18:02 Uhr

Lörrach

Am Freitag wurde auf dem Alten Marktplatz in Lörrach der Narrenbaum gestellt. Auf die übliche Zeremonie musste dabei verzichtet werden. "So was von traurig", fand Obergildenmeister Jörg Rosskopf.

Am Freitagmittag wurde auf dem Alten Marktplatz der Christbaum abgesägt und an seiner Stelle der Narrenbaum aufgestellt. Die Zeremonie, wenn man das, was da geschah, überhaupt so nennen kann, war genauso ungewöhnlich wie die ganze Fasnachtssaison im Zeichen der Corona-Pandemie werden wird. "Es war uns wichtig, dass in der Stadt ein Narrenbaum steht, damit man sieht: Es ist Fasnachtszeit", kommentierte das Obergildenmeister Jörg Roßkopf.

Leider, und deswegen blute sein Narrenherz, konnte der Narrenbaum nicht mit der normalen, eineinhalb Stunden dauernden Zeremonie gestellt werden. Das fing schon damit an, dass der aus der Adelhauser Straße in Brombach stammende Baum nicht wie üblich auf einem Pferdefuhrwagen auf den Alten Marktplatz einfuhr, sondern auf einem Traktor mit langem Anhänger der Firma Bühler aus Haagen. "So was von traurig", fand Jörg Roßkopf.

Der Baum wurde diesmal rein mechanisch gestellt

Mit 18 Metern ist der Narrenbaum etwa vier Meter kürzer als in den vergangenen Jahren. Am Donnerstag hatte Gildenmeister Michael Lindemer den Baum im Wald fertiggemacht. Sein Kollege Manfred Eckelt dekorierte ihn am Freitag auf dem Alten Marktplatz mit dem Kranz. Das Schlimmste für den Obergildenmeister war, dass der Baum nicht von Menschen und mit Muskelkraft, sondern rein mechanisch mit einem Kran aufgestellt wurde. In fünf Minuten war alles über die Bühne gegangen. Aber Jörg Roßkopf wäre nicht Jörg Roßkopf, wenn er nicht optimistisch bliebe. "Wir überleben das", stellte er fest.

"Wir überleben das." Jörg Roßkopf, Obergildenmeister
Weil sich die Puppen der Cliquen, die bisher an dem immergrünen Kranz unter der Baumspitze hingen, nach den vielen Jahren in sehr schlechtem Zustand befanden, entschied die Narrengilde, sie nicht aufzuhängen. Stattdessen brachten sie ihre von der Weiler Firma Lienin gestifteten, ovalen Medaillons mit den vier von Jochen Scherzinger fotografierten Symbolfiguren der Lörracher Fasnacht an. Möglich sei es, das Spiel am Kranz noch um ein Mobile mit den Bildern von Jubiläumscliquen zu erweitern, erläuterte der Obergildenmeister. Für ein Foto stellten dann Katja Puchtler (Frosch), Ruth Lindemer (Schnägg) und Thomas Prick (Güggel) das Motiv "Überall Maskenball" der diesjährigen Fasnachtsplakette nach.

Interaktive Ausstellung und Fasnachtsgottesdienst geplant

Eine interaktive Ausstellung mit mehr als fasnächtlichen Porträts des Künstlers Jochen Scherzinger und Texten zu den Cliquen und Musiken der Narrengilde Lörrach und der Protektorin Diana Stöcker wird am 22. Januar auf dem Alten Marktplatz und auf dem Senser Platz sowie im Hebelpark aufgebaut. Einen Tag zuvor werden diese drei Plätze durch Wimpelketten verbunden. Dann können die Menschen sie im Parcours ablaufen, gerne auch im Häs, und sich über QR-Codes hinterlegte Filme anschauen.

Nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Jörg Lutz am Vormittag verkündete Roßkopf beim Narrenbaumstellen auch, dass der Narrengottesdienst am Fasnachtssonntag, 14. Februar, 11 Uhr, auf dem Alten Marktplatz zu 99 Prozent klappen werde. "Wenn die Corona-Regeln so bleiben wie bisher, können wir ihn machen", freute er sich. Möglich würde das mit Anmeldung, Eintrittskarten und Bestuhlung. Das zuvor vorsichtig angepeilte Schnitzelbanksingen kann jedoch definitiv nicht stattfinden.