"Für mich eine Offenbarung"

Thomas Steiner und Stefan Hupka

Von Thomas Steiner & Stefan Hupka

Sa, 02. September 2017

Bildung & Wissen

BZ-INTERVIEW mit Michael Berger, Freiburger Karl-Marx-Experte, über die erstaunliche Karriere eines trockenen Buches /.

ieses Buch hat Geschichte gemacht. Revolutionäre haben sich darauf berufen, aber auch Diktatoren: Vor 150 Jahren, am 11. September 1867, ist das Hauptwerk des Philosophen Karl Marx (1818–1883) erschienen, "Das Kapital". Wir sprachen darüber mit dem Freiburger Hochschullehrer Michael Berger, der es jahrzehntelang verstand, es seinen Studenten nahe zu bringen.

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BZ: Herr Berger, viele, die in den 60er und 70er Jahren studiert haben, haben daheim im Regal noch drei verstaubte blaue Bände "Das Kapital" stehen. Was sollen sie damit machen? Wegwerfen, anbeten oder mal wieder drin lesen?
Berger: Meine Empfehlung ist, Band 1 zu lesen. Ich halte ihn nach wie vor für einen aktuellen Klassiker der politischen Soziologie.
BZ: Und da finde ich Dinge, die mir heute die globale Wirtschaft und Gesellschaft erklären helfen?
Berger: Was Sie finden, ist eine Soziologie der kapitalistischen Gesellschaft. In dem berühmten Kapitel "Der Fetischcharakter der Ware" zeigt Marx, wie sich die neuzeitliche Gesellschaft von der antiken und der mittelalterlichen unterscheidet: Die Menschen werden nicht mehr durch Herrschaft oder Grundeigentum vergesellschaftet, sondern durch den Tausch. Moderne Gesellschaften bestehen aus Menschen, die ihre Arbeitsprodukte tauschen. Das führt dazu, dass ältere Formen der Vergesellschaftung wie Freundschaft oder die Gemeinde zurückgedrängt werden und an ihre Stelle der Austausch tritt. Leistung wird mit Gegenleistung getauscht. Und alles wird mit Geld quantifiziert.
BZ: Aber kann man sich dieser Quantifizierung nicht entziehen, etwa im Ehrenamt? Oder wie ist es mit der nicht entlohnten Kindererziehung?
Berger: Man muss diese quantifizierende Umgangsweise auf jeden Fall beherrschen. Sonst fliegt man raus, verliert den Arbeitsplatz. Die anderen Fähigkeiten soll man nicht vergessen, ...

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