Handelskonflikt

Funktionieren Huawei-Smartphones weiter wie gewohnt?

dpa

Von dpa

Mo, 20. Mai 2019 um 12:37 Uhr

Wirtschaft

Google hat die Zusammenarbeit mit Huawei auf Eis gelegt. Google-Apps und -Dienste dürften auf neuen Mobilgeräten der Chinesen nicht mehr installiert werden. Aber was ist mit Verbrauchern, die schon Huawei-Geräte besitzen?

Besitzer von Huawei-Smartphones und -Tablets müssen nicht befürchten, dass ihre Geräte von heute auf morgen nicht mehr brauchbar sind. Google darf mit dem chinesischen Telekommunikationshersteller zwar nicht mehr zusammenarbeiten. Nutzern von Geräten versichert der Internetkonzern aber, dass etwa der Zugriff auf den App-Store weiter erhalten bleibt – sowohl für Huawei-Produkte als auch für Geräte der Schwestermarke Honor.

Auch die wichtigen, ebenfalls Google Play genannten Hintergrunddienste sollen weiter funktionieren. Außerdem können die Nutzer den Angaben zufolge weiter auf die diversen, unter dem Schlagwort Play Protect zusammengefassten Sicherheitsfunktionen bauen.
Durch den unveränderten Zugriff auf den Play Store müssen sich Verbraucher auch keine Sorgen machen, beliebte Anwendungen wie Google Maps oder Gmail nicht mehr nutzen zu können. Sicherheitspatches für Android kann und will Huwaei nach eigenen Angaben weiter ausliefern, weil das Betriebssystem an sich quelloffen (Open Source) ist.

Es gibt auch alternative Stores wie F-Droid

Wer sich von Googles App-Store und Anwendungen unabhängiger machen möchte, kann alternative Stores wie etwa F-Droid ausprobieren. Dort finden sich ausschließlich freie, quelloffene Anwendungen. Auch der Amazon Appstore, APKMirror.com oder die Seiten der App-Entwickler selbst können gute Quellen sein. APKMirror.com oder Entwickler bieten allerdings nur Apps im apk-Format zur Installation an, es gibt keine automatischen App-Aktualisierungen wie bei App-Stores.



Auf Druck der US-Regierung stellt Google die Geschäftsbeziehungen zu Huawei ein. Der Internetkonzern versorgt den Hardwarehersteller künftig nicht mehr mit seiner Software wie dem Betriebssystem Android. Künftige Smartphone-Modelle kann Huawei nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen, was die Verkaufsaussichten in Europa drastisch verschlechtert.

Huawei ist ein führender Ausrüster von Mobilfunk-Netzen unter anderem in Europa und der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt. Mit den US-Sanktionen verliert die Firma auch den Zugang zu Chips aus dem Westen. Große Halbleiteranbieter wie Qualcomm, Broadcom und Xilinx hätten ihren Mitarbeitern mitgeteilt, dass Huawei bis auf weiteres nicht beliefert werde, berichtete der Finanzdienst Bloomberg am Montag.

Android-Systeme dominieren den Markt

Android ist das dominierende Smartphone-Betriebssystem mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Das liegt auch daran, dass chinesische Anbieter wie Huawei, Xiaomi, Vivo, oder OnePlus auf Android setzen. Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass die chinesischen Unternehmen - allen voran Huawei - versuchen, eigene Betriebssysteme als Alternative zu Android und Windows bei PCs zu etablieren, wenn sich der Konflikt weiter vertieft. "Wir werden weiter daran arbeiten ein sicheres und zukunftsfähiges Software-Ecosystem zu entwickeln, um die bestmögliche Nutzererfahrung weltweit zu bieten", erklärte Huawei am Montag.

Der chinesische Huawei-Konkurrent ZTE war im vergangenen Jahr von ähnlichen US-Einschränkungen so schwer getroffen worden, dass die Firma zeitweise ihr internationales Geschäft stoppen musste. Die US-Regierung hatte Strafen wegen angeblicher illegaler Geschäfte mit dem Iran und Nordkorea verhängt und für sieben Jahre den Zugang zu US-Technologien verwehrt. Ohne Chips für seine Smartphones musste ZTE daraufhin große Teile der Produktion stilllegen. Nach einigen Wochen zahlte ZTE rund 1,4 Milliarden Dollar und die Sanktionen wurden aufgehoben.

Aktien europäischer Netzwerkausrüster wie Ericsson und Nokia legten am Montag in einer Reaktion auf die Maßnahmen zu. Papiere des deutschen Chipkonzerns Infineon verloren am Vormittag zeitweise mehr als vier Prozent. Einem Bericht der japanischen Zeitung "Nikkei" zufolge stellten auch Infineon und STMicroelectronics die Geschäftsbeziehungen zu Huawei vorerst ein.