Denkmalschutz

Gauben sollen eines der ältesten Gasthäuser in Deutschland auf dem Schönberg verunstalten

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Sa, 17. Oktober 2020 um 08:00 Uhr

Seelbach

Der Ortschaftsrat Seelbach-Schönberg lehnt den nachträglichen Bauantrag der Eigentümerin des historischen Gasthauses Löwen aus zwei Gründen ab.

Am denkmalgeschützten Gasthaus Löwen auf dem Schönberg sind zur Zeit einige Renovierungsarbeiten im Gang. Dazu gehören drei neu errichtete Dachgauben auf der Nordseite. Diese sind dem Ortschaftsrat ein Dorn im Auge. Er sprach sich in der Sitzung am Donnerstag gegen die Bauweise mit Schleppgauben aus, die optisch keinesfalls zu dem historischen Gasthaus passen würden. Zudem wurde moniert, dass ein Bauantrag erst nach Baubeginn und der Aufforderung durch das Landratsamts bei der Gemeinde eingereicht wurde.

Das Gasthaus Löwen ist seit 2007 im Besitz einer Frau aus Bühl. Sie kaufte das historische Gebäude damals von der Volksbank Lahr, die die Immobilie zuvor als Hauptgläubigerin in einem Zwangsversteigerungsverfahren erworben hatte. Die "Herberge Zum Löwen", wie sie früher hieß, ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus und wurde 1231 erstmals urkundlich erwähnt. Mit zwei anderen Gasthäusern in Deutschland (Zum roten Bären in Freiburg und Zum Riesen in Miltenberg/Unterfranken) konkurriert der "Löwen" um das Attribut "Ältestes Gasthaus in Deutschland". Im "Löwen" gibt es seit vielen Jahren keine Bewirtung mehr, ein zuletzt erwähnter Pächter kam 2009 für kurze Zeit, danach und bis heute steht das Gebäude leer.

Ortschaftsrat ist mit den Dachgauben nicht einverstanden

Inzwischen haben verschiedene Arbeiten im Gebäude stattgefunden. Gegenstand der Sitzung waren die Dachgauben, mit deren Bauweise sich alle Ortschaftsräte nicht einverstanden zeigten. Ortsvorsteher Albert Himmelsbach übergab den Vorsitz an den Stellvertreter Ludwig Kopf, um als Grundstücksnachbar den möglichen Vorwurf der Befangenheit abzuwenden. Einstimmig empfahl der Ortschaftsrat dem Gemeinderat, dem Bau nicht zuzustimmen, da ein Bauantrag erst nach Baubeginn bei der Verwaltung eingegangen war. Eine Stellungnahme des Denkmalschutzamtes stehe noch aus, erklärte Bauamtsleiter Rainer Walter. In der Beschlussvorlage wird die Bauherrin zitiert, dass sich seit Jahrzehnten Dachfenster und -gauben auf dem Dach befänden, die in der Art nicht mehr gebaut würden. Außerdem sei inzwischen durch Undichtigkeit ein Wassereinbruch entstanden mit der Folge eines Deckendurchbruchs.

Die Bauweise soll dem Denkmalschutz entsprechen

Die Ortschaftsräte ließen sich nicht beirren, sie wollen eine Anpassung der Bauweise an den Denkmalschutz, besonders unter dem Aspekt eines Kulturdenkmals. "Grundsätzlich ist es gut, wenn an dem Gebäude etwas passiert. Aber die Gauben passen nicht, ebenso wie die Fenster – es müssten wie am übrigen Haus Sprossenfenster sein", meinte Ludwig Kopf. Stefanie Scharffenberg monierte: "Die Bauherrin hätte sich im Vorfeld über denkmalkonforme Varianten erkundigen können." Karlheinz Brucker könnte sich einen Kompromiss mit einer kupfernen Verkleidung der Gauben vorstellen.

Der Gemeinderat Seelbach nimmt sich jetzt des Themas an in seiner Sitzung am Montag, 19. Oktober, 19 Uhr, im Bürgerhaus.