Griechenland

Geflüchtete von Lesbos stranden auf einem Platz in Athen

Cedric Rehman

Von Cedric Rehman

Do, 15. Oktober 2020 um 12:06 Uhr

Ausland

BZ-Plus Die griechische Regierung will Migranten von Lesbos auf das Festland bringen. Der Weg von den Inseln führt viele ins Elend auf die Straßen Athens – ohne Unterkunft und ärztliche Versorgung.

Die Stadtverwaltung von Athen hat die Bänke am Viktoriaplatz im Zentrum der Stadt entfernen lassen. Niemand soll auf ihnen Platz nehmen. Den Menschen bleibt also nichts anderes übrig, als sich auf die Betonplatten und in die Beete um die Bäume zu setzen. Familien breiten Decken aus, auf denen Kinder schlafen und Männer Schulter an Schulter auf dem Boden liegen. Sie starren vor sich hin, als wäre die Zeit für sie stehen geblieben. Was die in Athen Gestrandeten aus dem abgebrannten Lager Moria auf der Insel Lesbos mitnehmen konnten, stapelt sich in Rucksäcken und Tüten um sie herum.

Sobald sich jemand nähert, der Helfer sein könnte, bildet sich eine Traube von Menschen. Es sammeln sich Fußlahme und Gebeugte neben Müttern mit Kindern, denen der Rotz aus der Nase läuft. Sie rufen im Durcheinander auf Englisch Worte wie "Blood", "Urin", "Doctor", "Please" und tasten sich nach schmerzenden Stellen am Körper ab. Sie zücken Plastikkarten mit einem blauen Stempel. So sieht in Griechenland der Ausweis aus, den anerkannte Asylbewerber erhalten. Sie halten das Kärtchen den Besuchern wie eine Frage entgegen. Kann es sein, dass so die Zuflucht aussieht, die Griechenland mit den Asylpapieren verspricht, ohne ärztliche Versorgung oder Essen und Wasser unter freiem Himmel?

Von einem Zelt in Moria auf den Platz in Athen
Amena Nowrozi sitzt am Rand des Platzes und hält ein rosafarbenes Stück Papier in der Hand, ein Bußgeldbescheid der Athener Verkehrsbetriebe. Ein Kontrolleur stellte ihr den Schein am 2. September aus. Nowrozi soll nun 72 Euro für das Fahren ohne Ticket bezahlen. Während die 30-jährige Afghanin erzählt, sitzt ihr Mann Ramazan Ali Nowrozi ...

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