Gemeinsam, so lange es geht

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 17. April 2021

Staufen

Jugendmusikschule Südlicher Breisgau unterrichtet wieder in Präsenz / Wegen steigender Inzidenz werden Alternativen gesucht.

(BZ). Seit dem 22. März erklingt nachmittags wieder Musik aus den weit geöffneten Fenstern im Annahof in Staufen. Denn seit rund drei Wochen ist Präsenzunterricht im Einzelunterricht der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau möglich. Dies soll so bleiben, solange die Inzidenzzahlen im Landkreis nicht an drei Tagen in Folge über 100 liegen.

Seit Mitte Dezember 2020 hatte der Instrumentalunterricht über Telefon oder über eine Videokonferenz stattfinden müssen. Ein himmelweiter Unterschied, wie sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte laut einer Pressemitteilung berichten. Drei Beispiele: Der 12-jährige Max freut sich, dass er nun – statt übers Telefon – wieder direkt mit seinem Lehrer Uwe Petri kommunizieren kann. "Es war ein beglückender Moment, die Schüler nach so langer Zeit wiederzusehen. Die Präsenz ist da, online oder telefonisch fehlt einfach ein wichtiger Teil", sagt Petri.

Im Nebenraum ertönt fetzige E-Gitarren-Musik. Der elfjährige Alexander und sein Lehrer Chris Pollmann strahlen. "Toll, dass ich endlich wieder hier im Raum mit Chris spielen kann. Die Musik kommt viel besser rüber, der Klang ist ganz anders", sagt der Nachwuchsgitarrist und legt gleich wieder los. "Online-Unterricht ist eine Krücke, wir sind froh, dass wir sie haben, aber der persönliche Kontakt ist unersetzbar", sagt Pollmann.

Im Musiksaal stehen zwei große Konzertflügel, fünf Meter Abstand zwischen den Instrumenten, dazu geöffnete Fenster. Der elfjährige Lenni spielt eine Beethoven-Sonate, Lehrer Bernd Schäfer hört konzentriert zu. "Der Lehrer hört mich einfach besser, es gibt keine Zeitverzögerung wie bei der Video-Übertragung", sagt Lenni.

Musikschul-Leiter Joachim Baar hat in diesen Zeiten noch mehr zu erledigen als sonst. Er tut, was in seiner Macht steht, um weiterhin Musikunterricht möglich zu machen. Täglich verfolgt er die Inzidenzwerte. Fast täglich ändern sich auch die Vorgaben, die er mit Schülern und deren Eltern sowie den Lehrkräften kommunizieren muss. Dann heißt es Lösungen finden. Mit den 13 Mitgliedsgemeinden und deren Corona-Ausschuss sind enge Absprachen nötig. In der einen Gemeinde kann der Unterricht nachmittags in Räumen der Schule stattfinden, in anderen nicht. Dann organisiert Joachim Baar Ersatzräume. Er ist sehr dankbar für die große Flexibilität, die alle Beteiligten aufbringen. "Keine noch so ausgeklügelte Technik kann ersetzen, unsere Schüler "in natura" zu erleben. Musik ist Verbindung. Sie geht von Herz zu Herz. Musik gibt uns die Kraft, auch schwere Zeiten und große Unsicherheit zu überstehen", sagt er.

Baar dankt allen Beteiligten für ihren Einsatz unter den erschwerten Bedingungen. Neun Online-Schülerkonzerte haben bereits stattgefunden, darunter eine Streicher-Matinée, die von den Lehrkräften Isabel Lehmann und Kerstin Bögner organisiert wurde. Da Chöre und Gruppen nicht zusammen proben konnten, haben sie alternative Formate entwickelt. Der Jugendchor Au beispielsweise hat ein Youtube-Video mit dem bekannten Seemannslied "The Wellerman" eingesungen, aufgenommen und arrangiert. Es wurde bereits über 2000 Mal aufgerufen.