Geheimsache Nebenwirkung

Wissenschaftler kämpfen gegen die Tricks der Pharmaindustrie

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Mo, 22. Oktober 2012 um 08:54 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Risiken werden vertuscht, Erfolge aufgebauscht – Experten decken die Tricks der Pharmaindustrie auf. Einige werden mit Druck und Anwaltsmacht zum Schweigen gebracht.

Nehmen wir zunächst mal das erschreckende Beispiel des Medikaments Avandia. "Neue Dimensionen" in der Behandlung des Typ-2-Diabetes – weniger Nebenwirkungen, ein langsameres Fortschreiten der Krankheit – hatte der Hersteller Glaxo Smith Kline (GSK) einst vor dessen Zulassung den Zuckerkranken versprochen. Neue Dimensionen hat die Welt tatsächlich erlebt, nur in ganz anderer Hinsicht: Denn zwölf Jahre später weiß man, 300 Tote und 500 Herzanfälle hätten allein im Jahr 2010 jeden Monat vermieden werden können, wenn die Kranken zu einem anderen Mittel als dem Wirkstoff Rosiglitazon gegriffen hätten.

Dies hat eine Kommission herausgefunden, die sich im Auftrag des amerikanischen Senats dem Skandalmedikament gewidmet hat. Vor zwei Jahren belegte sie: Das im Jahr 2000 auch in Deutschland zugelassene Medikament lässt das Risiko für Herzattacken und -versagen deutlich in die Höhe schießen. Und noch schlimmer: Glaxo Smith Kline hat dies nicht nur die ganze Zeit gewusst, er hat diese gefährliche Wahrheit auch zu vertuschen versucht. Kritiker wurden mit Druck und Anwaltsmacht zum Schweigen gebracht, unliebsame Studienergebnisse in den Schubladen versteckt.

Spätestens seit 2001 musste dem Unternehmen dank einer Studie bewusst sein, wie gefährlich der eigenen Blockbuster – Jahresumsatz bis zu 3,3 Milliarden Euro – möglicherweise war. Stattdessen wurde vom Führungsstab angeordnet, dass die ...

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