Großes Bedürfnis nach Kirchenmusik

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 23. September 2021

Lörrach

250 Besucher beim Mendelssohn-Konzert des Doppelquartetts Breisgau in der Reihe Con Boni.

. In romantische Klangwelten eintauchen konnten die Zuhörer am Sonntag beim seit langem ersten Konzert in der Benefizreihe "Con Boni" in der Bonifatiuskirche Lörrach. Mit dem Programm "Mendelssohn pur" zog das Doppelquartett Breisgau etwa 250 Besucher an. Sie erfreuten sich an den geistlichen Gesängen und der Orgelmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dies zeigt das enorme Bedürfnis der Menschen an kirchenmusikalischen Veranstaltungen, die wegen Corona lange unmöglich waren.

Kirchenmusiker Andreas Mölder sang in dem Ensemble im Bass mit und übernahm den solistischen Orgelpart. Das Doppelquartett Breisgau setzt sich aus den Sopranistinnen Michaela Ortlieb-Steffe und Kerstin Bögner, den Altistinnen Veronika Lutz und Karin Karle, den Tenören Jonas Bruder und Laurin Oppermann sowie den Bassisten Mölder und Manuel Klingenmeier zusammen – sie kommen aus der näheren und weiteren Region und harmonieren wunderbar in den A-Cappella-Gesängen.

Das hörte man schon zum Auftakt in der glanzvoll gesungenen Motette "Jauchzet dem Herrn alle Welt" für achtstimmigen Chor nach dem 100. Psalm. Die Klarheit und Transparenz der Stimmen, die luzide Durchhörbarkeit des mehrstimmigen Gesangs, ausgewogene Balance der Stimmen und beseelte Wiedergabe beeindruckten auch in "Heilig, heilig" für zwei vierstimmige Chöre.

Ein Schwerpunkt lag auf Psalmvertonungen. Höchst eindringlich erklang "Richte mich, Gott". Auch in "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" nahmen die Sängerinnen und Sänger mit intensiv gesteigertem, bewegendem Gesang für sich ein. Auch die trostvollen Momente in dieser tiefgründigen Psalmkomposition wurden sehr schön entfaltet. Wie ergreifend die Sakralmusik von Mendelssohn klingen kann, hörte man in "Warum toben die Heiden". Die Musiker erwiesen sich darin als stilvolle, empfindsame Mendelssohn-Interpreten. Die anschauliche Textausdeutung, der wortdeutliche Gesang, die vorzügliche Intonation und spürbar emotionale und innige Gestaltung machten diese Gesänge zu etwas Kostbarem. Besonders gefühlvoll erklang "Denn er hat seinen Engeln empfohlen" aus dem Oratorium "Elias".

Auch wenn das Konzert einem einzigen Komponisten gewidmet war, war es vielseitig innerhalb der geistlichen Werke, in denen vom zarten Pianissimo bis zum dramatisch gesteigerten Forte, von eindrücklichen Solostimmen mit Chorbegleitung bis zum volltönenden Chorgesang viele Facetten aufgefächert wurden. Zwischen den A-cappella-Blöcken spielte Mölder die Orgelsonate f-Moll von Mendelssohn-Bartholdy, in der er in differenzierter Satzgestaltung ein kontrast-, stimmungs- und farbenreiches Spektrum entfaltete.

Der lang anhaltende Beifall zeigte, dass dieses Konzert Balsam für die Kirchenmusikfreunde war, die so lange speziell auf Chorgesang verzichten mussten. Die Spenden kommen der Coronakünstlerhilfe zugute, die freischaffende Künstler unterstützt.