Gran Canaria

Großfeuer bedroht bedeutenden Naturpark

dpa

Von dpa

Mo, 19. August 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Rund 6000 Hektar stehen auf der beliebten Urlaubsinsel in Flammen. Das Feuer könnte ein wichtiges Naturschutzgebiet zerstören. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus.

LAS PALMAS (dpa). Erst vor einer Woche hatte ein schwerer Brand im Zentrum von Gran Canaria Hunderte Helfer in Atem gehalten. Jetzt gibt es genau im gleichen Gebiet ein noch viel schlimmeres Feuer. Die Behörden gehen von Brandstiftung aus. Die Insel könnte ihr "grünes Herz" verlieren.

Die Flammen sind außer Kontrolle: Der schwere Waldbrand in den Bergen von Gran Canaria hat den bekanntesten Naturpark der Insel erreicht und droht ihn zu zerstören. Rund 6000 Hektar Fläche auf der spanischen Urlaubsinsel seien schon von dem Feuer betroffen, die Flammen schlügen bis zu 50 Meter hoch, schrieben spanische Medien am Montag. Der Brand sei "jenseits der Löschkapazitäten", erklärte der Leiter der Rettungsdienste, Federico Grillo.

Das Feuer schreitet an mehreren Fronten voran. 9000 Menschen aus 50 Ortschaften südwestlich der Hauptstadt Las Palmas wurden in Sicherheit gebracht, wie der Fernsehsender RTVE berichtete. 40 Menschen sind den Angaben zufolge seit Sonntag in dem Ort Artenara eingeschlossen. Sie verbrachten die Nacht im örtlichen Kulturzentrum, da das Gebäude wegen seiner Position als sicher eingestuft wurde. Es sei derzeit zu gefährlich, die Ortschaft zu evakuieren, hieß es. Akute Gefahr für die Anwohner besteht den Behörden zufolge aber nicht.

Der 7500 Hektar große Naturpark Tamadaba, welchen das Feuer nun erreicht hat, hat einzigartige Kiefernwälder. Er liegt im Unesco-Biosphärenreservat im Westens Gran Canarias. Er gilt als eine der fast unberührten Landschaften der vor der Westküste Afrikas liegenden Kanareninsel. Das Portal Canarias7 sprach von einer Umweltkatastrophe und "einem Anschlag auf das grüne Herz der Insel".

Dabei hatten die Einsatzkräfte erst vor einer Woche erleichtert aufgeatmet, als ein heftiges Feuer in der gleichen Region nach tagelangen Löscharbeiten unter Kontrolle gebracht worden war. Da waren schon rund 1500 Hektar verbrannt. Die neue Feuerfront ist nun noch viel dramatischer.

Hunderte Helfer arbeiteten am Boden an mehreren Flanken, von der Luft aus unterstützten sie Hubschrauber und Löschflugzeuge. Allein am Sonntag seien 800 000 Liter Wasser eingesetzt worden, hieß es. Auf Videos war zu sehen, wie Feuerwehrleute mit dicken Schläuchen durch die brennenden Wälder liefen und versuchten, die massiven Flammen einzudämmen.

In den vergangenen Jahren habe es nur selten einen so großen Einsatz gegeben, sagte Agrarminister Luis Planas. Oberstes Ziel sei es, Tote zu vermeiden. Die Regierung stellte weitere Hilfe zur Brandbekämpfung zur Verfügung, darunter eine Drohne, mit der die Brandherde vor allem nachts überwacht werden sollten.

Die EU-Kommission stellte über den Copernicus-Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement Satellitenbilder von den betroffenen Gebieten zur Verfügung und bot Spanien weitere Unterstützung an. Sollte zusätzliche Hilfe benötigt werden, stehe die Kommission bereit, sagte eine Sprecherin in Brüssel.

Heißes Sommerwetter und starker Wind behinderten die Arbeiten ebenso wie eine extrem starke Rauchentwicklung, betonte die Sprecherin des kanarischen Notfalldienstes, Laura Otero. Touristen an den Stränden der gerade bei Deutschen beliebten drittgrößten Kanareninsel waren von der Feuerfront aber zunächst nicht direkt betroffen.

Der Chef der Inselregierung, Antonio Morales, erklärte, es handele sich möglicherweise um Brandstiftung. Beweise dafür gebe es bisher nicht. Auf Twitter sprachen User von "Barbarei" und forderten Haftstrafen für die Verantwortlichen.