Fraunhofer-Institut will Solarmodule testen

Grünes Licht für Solarenergie-Testfeld in Merdingen

just,apt

Von Julius Wilhelm Steckmeister & Agnes Pohrt

So, 28. Juni 2020 um 17:35 Uhr

Breisach

Die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft hat zugestimmt, dass der Flächennutzungsplan für das Projekt in Merdingen geändert wird. Nur Ihringen votierte dagegen.

Um auf einer knapp viereinhalb Hektar großen Wiese in Merdingen nördlich der Sportanlagen "Kleinsteinen" ein Solarenergie-Testfeld anlegen zu können, ist zunächst eine Flächennutzungsplanänderung notwendig. Diese bedarf der Zustimmung der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Breisach-Ihringen-Merdingen. In einer Sitzung in Ihringen stimmten die Vertreter aus Breisach und Merdingen für und die Vertreter aus Ihringer gegen das Projekt.

Behörde gibt Entwarnung
Für Irritation im Ihringer Gemeinderat hatte die Befürchtung gesorgt, das Testfeld könne einer oder mehreren Varianten des künftigen Verlaufs der B 31 West bis Breisach im Wege stehen. Aus diesem Grund hatte das Gremium die Flächennutzungsplanänderung in seiner Sitzung Anfang März abgelehnt (die BZ berichtete). Dieses Votum war bindend, obwohl sich die Sorgen der Ihringer inzwischen als unbegründet erwiesen hatten.

Aus einer Stellungnahme des Regierungspräsidiums, die vom zuständigen Planungsbüro Fahle Mitte Februar angefordert, seitens der Behörde jedoch erst Anfang April abgegeben wurde, geht klar hervor, dass das für den Weiterbau der Bundesstraße zuständige Präsidium in dem Solarenergie-Testfeld keine Beeinträchtigung für eine der neun noch in der Prüfung befindlichen Trassenvarianten erkennen kann. Von vornherein hatten sich Gemeinderäte von Breisach und Merdingen für die Flächennutzungsplanänderung ausgesprochen. Sie ist notwendig, weil das bisher als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesene Areal zur Sondernutzungsfläche "Solarenergie-Testfeld" umgewidmet werden muss.

Forschungsfeld ist kein Solarpark
Mit weiteren möglichen Missverständnissen räumte in seiner kurzen Vorstellung des Projektes Solarenergie-Testfeld samt seiner Vorgeschichte Merdingens Bürgermeister Martin Rupp auf. Seit geraumer Zeit, so Rupp, sei das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bereits auf der Suche nach einem geeigneten Areal für ein Testfeld gewesen. Mit der Wiese am Rande des Merdinger Gewerbegebietes sei man fündig geworden, da die 44 360 Quadratmeter große Fläche den Erfordernissen für die Anlage in puncto Größe entspreche. Das ISE plane hier jedoch nicht die Errichtung eines Solarparkes zur Stromerzeugung, wie beispielsweise in Achkarren, sondern eben nur eine Testanlage. Hier sollen unterschiedliche Solarmodule für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren aufgestellt werden, um diese in ihrer Leistungsfähigkeit und weiteren Parametern vergleichen zu können, führte Rupp aus. Auch war es Merdingens Rathauschef nochmals wichtig zu betonen, dass das Solarenergie-Testfeld und sämtliche noch im Prüfverfahren befindliche Trassenvarianten der B 31 West nicht im Widerspruch stünden.

Früher Informationen gewünscht
Dies bestätigte mit Verweis auf die Stellungnahme des Regierungspräsidiums ein weiteres Mal Breisachs Erster Beigeordneter Carsten Müller. "Das Regierungspräsidium hat bestätigt, dass jede Trassenvariante weiter möglich ist", wusste er. "Wir haben die Flächennutzungsplanänderung abgelehnt, weil es uns wichtig ist, dass das Testfeld keinerlei Einfluss auf den Trassenverlauf hat, die Trassenplanung nicht beeinträchtigt wird", begründete Ihringens Bürgermeister Benedikt Eckerle den Ratsbeschluss vom 2. März. "Es wäre zielführend gewesen, das Regierungspräsidium hätte sich früher geäußert", bemängelte er. In diesem Falle wäre in Ihringen die Abstimmung für den Aufstellungsbeschluss zur 19. Flächennutzungsplanänderung höchstwahrscheinlich einstimmig ausgegangen.

Als Ausgleichsfläche nutzen
Einen Tag vor der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft hatte sich der Breisacher Gemeinderat mit großer Mehrheit (zwei Gegenstimmen) für die punktuelle Flächennutzungsplanänderung ausgesprochen. "Ich finde das Solar-Testfeld super und wichtig", hatte Bürgermeister Oliver Rein gesagt. Gerne hätte er es auf Breisacher Gemarkung realisiert, aber man wolle Merdingen keine Steine in den Weg legen.

Die Landwirtin und FDP/FWB-Stadträtin Diana Rein wünschte sich, dass das Merdinger Testfeld nach dem Vorbild des Vogtsburger Solarparks mit Schafen beweidet wird. Sie schlug vor, auch eine Blumenwiese anzulegen. Dann könne das Gelände eventuell auch als Ausgleichsfläche gewertet werden. Lediglich AfD-Stadtrat Volker Kempf sprach sich gegen das Solarenergie-Testfeld aus. Es stehe mehreren Trassenvarianten für die B 31 im Wege und sei auch nicht schön, sagte er in der Ratssitzung .