Tat bei Diskothek

Gruppenvergewaltigung in Freiburg: Polizei wertet weiter Spuren aus

Jürgen Ruf

Von Jürgen Ruf (dpa)

So, 24. März 2019 um 15:14 Uhr

Freiburg

Knapp fünfeinhalb Monate nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg sucht die Justiz Termine für Prozesse. Die Polizei ist unterdessen noch immer mit dem Fall beschäftigt.

Im Fall der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung in Freiburg wertet die Polizei knapp fünfeinhalb Monate nach der Tat weiter Spuren und Hinweise aus. Die Ermittlungsgruppe "Club" bleibe bestehen und arbeite an der weiteren Aufklärung, sagte eine Sprecherin der Polizei in Freiburg. Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) werteten zudem im Labor Spuren aus. Ziel sei es, für die anstehenden Gerichtsprozesse Beweise zu sichern. Hierfür seien die Ermittler weiter auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

Mitte Oktober war den Ermittlern zufolge eine 18-Jährige nachts in einem Gebüsch vor einer Diskothek in Freiburg von mehreren Männern vergewaltigt worden. Zehn Verdächtige wurden festgenommen – acht Syrer im Alter von 18 bis 29 Jahren, ein 18 Jahre alter Algerier und ein 25-jähriger Deutscher ohne Migrationshintergrund. Alle befinden sich in Untersuchungshaft.

Als Gründe für die noch laufenden Ermittlungen nannte die Sprecherin die vergleichsweise vielen Verdächtigen sowie die Vielzahl von Spuren und Hinweisen. "Wir versuchen weiter Licht ins Dunkel zu bringen." Einen möglichen elften, noch unbekannten Verdächtigen sucht die Polizei seit Anfang Januar mit einem Phantombild. Von dem Mann gebe es bisher keine konkrete Spur, sagte die Sprecherin. Hinweise auf mögliche weitere Täter gebe es derzeit nicht.

Gegen die zehn Festgenommenen hat die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Freiburg Mitte Februar und Anfang März Anklagen erhoben. Diese würden derzeit von der zuständigen Jugendkammer des Gerichts geprüft, sagte ein Gerichtssprecher. Termine für die dort geplanten Prozesse gebe es noch nicht. Den Männern werde unter anderem Vergewaltigung, gemeinsamer Drogenhandel und unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt.

Hauptbeschuldigter in dem Fall ist den Ermittlern zufolge Majd H., ein 22-Jähriger aus Syrien. Er soll die 18-Jährige vergewaltigt und andere Männer zum Vergewaltigen animiert haben. Der jungen Frau war laut Polizei in der Diskothek etwas ins Getränk gemischt worden. Sie habe sich in einem wehr- und willenlosen Zustand befunden.

Ermittler standen in dem Fall in der Kritik: Gegen den 22-Jährigen bestand wegen anderer Delikte bereits ein Haftbefehl, verhaftet wurde der Mann aber nicht. Neben der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung wird ihm vorgeworfen, gemeinsam mit zwei weiteren nun ebenfalls angeklagten Männern bereits im September 2017 in seiner Wohnung eine 19-Jährige vergewaltigt zu haben.

Einen Prozess zu diesem Fall hat es laut Gericht bislang nicht gegeben. Auch diese Tat sei daher nun Teil der Anklage und solle vor der Jugendkammer des Freiburger Landgerichts verhandelt werden.
Hintergrund: Der Vermieter von Majd H., dem Hauptverdächtigen im Fall der Gruppenvergewaltigung, hat die Freiburger Behörden kritisiert. Sie hätten Warnungen zur Gefährlichkeit des Mannes nicht ernst genug genommen.