Gündelwangen der IT-Nabel in der Region

Gudrun Deinzer

Von Gudrun Deinzer

Mi, 19. Juni 2019

Bonndorf

PoP-Gebäude für Schnelles Internet in Betrieb genommen / Verbindungsstelle in den Schwarzwald-Baar-Kreis, in die Schweiz und den Großraum Frankfurt.

BONNDORF-GÜNDELWANGEN. In Feierlaune zeigten sich alle Akteure bei der Inbetriebnahme des PoP-Gebäudes ("Point of Presence"). Bürgermeister Michael Scharf hatte hinter das Gündelwanger Schulgebäude nicht nur den Landrat, sozusagen als Mit-Hausherren eingeladen, sondern auch alle Kräfte, die sich stark gemacht hatten für das Bonndorfer Bürgernetz, ein öffentliches Glasfasernetz: Die technischen Fachleute, die Firmen, die Rathausmannschaft, Gemeinderäte und die Bürger.

Bislang wurden 90 Verträge für Gündelwangen abgeschlossen, 183 Haushalte sind in Gündelwangen angeschlossen an das öffentliche Glasfasernetz der Stadt Bonndorf.

Rückblick
Die Unzufriedenheit mit der schlechten Internetversorgung trieb Bürgermeister nach langem Weg durch die Instanzen auf die Barrikaden, sprich in die Ministerien. Schließlich ging es hier um ein Politikerversprechen – nämlich gleiche Lebensverhältnisse in Stadt und Land. So stellten sich die Gündelwanger hinter Gemeinde und Bürgermeister und unterstützten ein Bürgernetz. Mit ihnen feierte man einen traumhaften Pilotanschlussgrad in der Löwenstadt von deutlich über 90 Prozent.

PoP bedeutend
"Dieser Pop hat eine besondere Bedeutung, weil hier nicht nur das Backbone-Netz des Landkreises und das östliche Bonndorfer Netz zusammenlaufen, sondern er ist für uns auch die Verbindung nach Löffingen, Döggingen, Blumberg, in die Schweiz nach Basel und Frankfurt", so Felix Stiegeler (Stiegeler IT Schönau). In vier Millisekunden käme ein von hier gesendetes Signal in Frankfurt an. Einen besonderen Gruß hatte Michael Scharf für Andreas Nauroth, Leiter des Eigenbetriebs Moderne Kommunikationstechnologie in Hohentengen. Diese Gemeinde war schon vor vielen Jahren einen Spezialweg über die Schweiz gegangen und nun ein wichtiger Partner im Landkreis. Der Leiter des eigens im Bonndorfer Rathaus installierten Amtes für Breitband, Matthias Ketterer, hatte mit ihm die vergangenen Jahre zusammengearbeitet.

Gemeinschaftsleistung
32 Landkreiskommunen, zudem die Gemeinde Schluchsee (Interkommunale Zusammenarbeit Dachsberg) und der Landkreis selbst haben eine starke Gemeinschaftsleistung hingelegt, meinte Landrat Martin Kistler. Im kompletten Landkreis werde derzeit gegraben. "Hier läuft es sowieso. Ziel ist es, die digitale Lebensversicherung mit Anschluss an das moderne Zeitalter am Ende des Tages flächig zu haben." Die Wandlung des Kreises mit bisher vielen so genannten weißen Flecken in der IT Landschaft zur Versorgung mit Glasfaseranschlüssen in den Häusern, markiert tatsächlich eine Umkehrung der Verhältnisse.

Ein Musterdorf ist Gündelwangen, das vorher im IT-Dornröschenschlaf gefangen war und nun zur Glasfaserversorgung direkt in die Häuser (FTTH), der derzeit sichersten und schnellsten Datenverbindung, zusätzlich über den Funkmast sogar LTE empfängt, mit immerhin einer Datengeschwindigkeit von rund 50 Mbit/s (Download).
Zuschüsse
Mit "störrischen Bürgermeistern", etwa Michael Scharf, Isolde Schäfer (damals Stühlingen) und Helmut Kaiser (Dachsberg), setzten sich seinerzeit auf Betreiben des damaligen Landtagsabgeordneten Felix Schreiner zwei Landesminister zusammen – Thomas Strobl und Peter Hauk. Die Zusage, die in deren Heimatorten nötigen Netze mit 90 Prozent zu fördern, bewirkten, dass in jenem Haushaltsjahr von landesweit 160 Millionen Euro für den Breitbandausbau rund 80 Millionen Euro für den Landkreis Waldshut zugesagt worden waren.