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Nationalsozialismus

Hanns Elard Ludin: Der lange Schatten des Großvaters

Der Freiburger Hanns Elard Ludin war glühender Anhänger des NS-Regimes und zeichnete die Deportation Zehntausender ab. Für seine Nachkommen ist der Umgang mit seinen Taten noch immer schwierig.

  • Hanns Elard Ludin Foto: Privat

Alexandra Senfft und ihr Cousin Fabian Nierhaus haben ihren Großvater Hanns nie kennengelernt – bei ihrer Geburt war er schon etliche Jahre tot, hingerichtet durch den Strang am 9. Dezember 1947 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Und doch hat der Großvater seine Enkel ein Leben lang beschäftigt, denn Hanns Ludin, geboren am 10. Juni 1905 in Freiburg, war ein NS-Kriegsverbrecher.

Als Gesandter des Hitler-Regimes in der Slowakei segnete und zeichnete er die Deportation von Zehntausenden von Juden ab. Bei seinen Nachkommen hat dies zu Wunden und Zerwürfnissen geführt, die bis heute in der Familie nachwirken.

Der Abstand der Enkel
"Wir Enkel haben einen leichteren Zugang als unsere Eltern, weil wir den Großvater selbst nicht mehr kannten", glaubt Fabian Nierhaus, der als Antiquitätenhändler in Berlin lebt. Er hat sich, sagt er, viel mit dem Thema beschäftigt: "Es ist mein ständiger Begleiter." Seine Cousine, die Islamwissenschaftlerin und Journalistin Alexandra Senfft, hat ein Buch darüber geschrieben. Auch sie kennt den Schatten des Großvaters, der ihre Mutter Erika, seine älteste Tochter, physisch und psychisch zerstört hat – 1998 kam diese unter tragischen Umständen ums Leben. Konnte der geliebte Vater wirklich ein Verbrecher sein? Ihre Mutter, sagt Senfft, habe von ihrer Mutter die Wahrheit hören wollen und sei mit Verdrängen und Lügen abgespeist worden.

Die Idealisierung des Großvaters in der Familie habe sie verachtet, seine Handlungen von Anfang an katastrophal gefunden, sagt die heute ...

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