Variante mit Tücken

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Von dpa

Mo, 18. Februar 2019

Haus & Garten

Die Finanzierung eines Bauvorhabens über eine Lebensversicherung.

Das Eigenheim über eine Lebensversicherung zu finanzieren, war lange ein gern gewähltes Modell. Inzwischen ist es für die meisten aber uninteressant. Denn seit mehr als zehn Jahren sind Auszahlungen dieser Policen nicht mehr steuerfrei. Das macht sie vergleichsweise unrentabel, erst recht in der aktuellen Niedrigzinsphase. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) wirft ein Schlaglicht auf die Probleme, denen Bauherren bei dieser Finanzierungsvariante begegnen können.
"Bei dieser Art der Baufinanzierung wird während der Laufzeit das Baudarlehen nicht getilgt, sondern es werden nur Zinsen bezahlt", erklärt Anke Behn von der Verbraucherzentrale Bremen. "Nebenbei zahlt man in eine Kapitallebensversicherung ein, die dann bei Auszahlung das Darlehen auf einen Schlag ablöst." Das Problem: Wie hoch die Auszahlung der Lebensversicherung am Ende ausfallen wird, das sind Schätzungen. Sie hängen mit der Markt- und Zinsentwicklung zusammen, weil die Lebensversicherungen das Geld am Markt anlegen. Entsprechend können die Renditen und damit auch die tatsächliche Auszahlungshöhe anders ausfallen als erhofft. In der Regel konnten Versicherte von einer Mindestauszahlung ausgehen.

"Die Rendite aus einer Lebensversicherung setzt sich aus drei Bereichen zusammen: dem Garantiezins, den Überschussbeteiligungen und den Bewertungsreserven", sagt Rechtsanwalt Sven-Wulf Schöller, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein ist.

Bewertungsreserven, das sind Buchgewinne durch steigende Kurse. Die Frage, wie viel dieser Reserven den Anlegern zusteht, hat den BGH in Karlsruhe im Sommer 2018 beschäftigt (Az.: IV ZR 201/17).
Der BGH bestätigte, dass Lebensversicherungen nicht mehr die Hälfte ihrer Bewertungsreserven an ihre Versicherten auszahlen müssen. Eine entsprechende Neuregelung von 2014 sei verfassungsgemäß. Die niedrigen Zinsen setzen den Versicherern zu und das Gericht wollte auf diese Weise vermeiden, dass hohe Ausschüttungen zu Lasten der übrigen Versicherten gehen.
Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft begrüßt das Urteil. Anders Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten: "Nicht die niedrigen Zinsen sind Schuld, sondern die Versicherungen haben sich verkalkuliert, aber die Kunden müssen zahlen." Er schätzt, dass nur noch fünf Prozent der Bewertungsreserven ausgezahlt werden.
Die Verknappung der Bewertungsreserven ist rechtens, aber sie muss begründet werden, so der BGH. Verbrauchern wird das finanziell wenig nutzen, vermutet Rechtsanwalt Schöller. "Der Versicherte wird nicht mehr Geld aus den Bewertungsreserven bekommen, nur eine bessere Begründung, warum er nicht mehr bekommt", sagt er.

Kleinlein rät Besitzern bereits gekündigter oder abgelaufener Verträgen, denen möglicherweise eine zu niedrige Bewertungsreserve ausgezahlt wurde, den Versicherer anzuschreiben und um die Unterbrechung der Verjährung zu bitten. So hielten sie ihre Ansprüche bei einem späteren positiven Urteil aufrecht.