"Heimat sind nicht die Orte"

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Di, 22. September 2020

Kenzingen

In Kenzingen startete die Interkulturelle Woche am Sonntag mit einer "Lebendigen Bibliothek" im Bürgerpark Altes Grün.

. Mit einer "Lebendigen Bibliothek" haben die Stadt und ihre Partner am Sonntag die Interkulturelle Woche gestartet. Im Bürgerpark "Altes Grün" konnten die Corona-Bedingungen gut erfüllt werden. Ansonsten bleiben die Termine übersichtlich: Stattfinden sollen der Frauentreff am Dienstag und eine Wanderung am 10. Oktober.

Die Stadt mit ihrer Integrationsbeauftragten Renate Günter-Bächle und der Jugendpflege, der DRK-Ortsverein, die katholische Kirchengemeinde, der Verein "Zarok", der "Bücherwurm" und neun Teilnehmer mit Migrationserfahrung sorgten gemeinsam dafür, dass aus der Auftaktveranstaltung eine gelungene Sache wurde. Die Stadt hatte fünf Pavillons und eine lange Reihe von Tischen mit Informationen aufgestellt. Die Jugendpflege steuerte Farbtupfer bei: Sie hatte bei den Ferienspielen alte Holzstühle mit Farbe und Fantasie aufgemöbelt.

Bürgermeister Matthias Guderjan und Renate Günter-Bächle eröffneten den Nachmittag. Es ist die vierte Interkulturelle Woche in Kenzingen. Bundesweit machen rund 500 Städte und Gemeinde mit. Kenzingen hatte sich in diesem Jahr für eine Idee entschieden, die aus Dänemark kommt und inzwischen von der Europäischen Union gefördert wird. Bei der Lebendigen Bibliothek sind die Menschen die Bücher: Die Besucher konnten sich in Listen eintragen und im kleinen Kreis für 30 Minuten ihr gewünschtes "Buch" ausleihen.

Das Angebot war groß: Rafael Kofi, der zusammen mit Anna Reiser (Furtwangen) einen musikalischen Beitrag zur Eröffnung leistete, erzählte auch als lebendiges Buch von seinem Geburtsland Ghana und der Musik. Die Geschwister Sausan (21)und Sulaf (19) aus dem Irak hatten "Mut und Kraft" zu ihrem Thema gemacht. Younes (21) aus Afghanistan vermittelte Eindrücke von der Flucht und davon, was er in den fünf Jahren in der Region geschafft hat. Die "schlimme Flucht" und das Ankommen waren auch Thema bei Amira Awes und ihren Söhnen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien flohen. "Ankommen dauert lange, manchmal bis heute", sagte Behiye, die als Kind bereits 1989 aus Kurdistan nach Deutschland kam. "Heimat sind nicht die Orte, sondern das Herz", sagte Mansura aus Kenia.

In der Lebendigen Bibliothek gab es zudem Geschichten aus Kenzingens Partnerstadt Vinkovci/Kroatien, von Dario Dragun erzählt. Auch ein ganz wichtiger Bereich fehlte nicht: Isameil aus Syrien präsentierte Kochgeschichten aus aller Welt und seine ganz persönlichen Entdeckungen. Der Genuss dieses speziellen Kochbuchs setzte allerdings Englischkentnisse voraus.

Die neun Teilnehmer der Lebendigen Bibliothek hatten am Ende die Gelegenheit, ihre Aufsteller mit den Informationen zur Person und Herkunft an Werner Bürk vom "Bücherwurm" zu übergeben. Sie sollen während der interkulturellen Wochen gezeigt werden. Bürk bedankte sich bei allen mit einem Klassiker aus Papier, einem Buch voller Märchen.