Kommunalwahl

So war’s beim ersten Herbolzheimer Bürgerforum zur Wahl

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Di, 07. Mai 2019 um 17:13 Uhr

Herbolzheim

Premiere in Herbolzheim: Zum ersten Mal fand dort ein Bürgerforum zur Kommunalwahl statt. Das Konzept kam an.

Welche Kandidaten treten bei der Gemeinderatswahl an? Welche Themen liegen ihnen am Herzen? Welche Liste vertritt welche Interessen? Diese und andere Fragen konnten sich Bürger am Montagabend beim Bürgerforum zur Kommunalwahl beantworten lassen. Unter dem Motto "Wen wählen?" gab es die Gelegenheit, mit den Gemeinderatskandidaten ins Gespräch zu kommen, über die verschiedensten Themen zu diskutieren und eigene Anliegen vorzubringen. 64 der 89 Kandidaten nutzten die Gelegenheit, sich vorzustellen.

Der erste Eindruck
19.20 Uhr. Alle 120 Stühle im Bürgerhaus in Tutschfelden sind besetzt. Wer in den folgenden zehn Minuten bis zum Beginn des Bürgerforums eintrifft, muss stehen. Das erste Format dieser Art war beliebter als von der Stadt erwartet. 60 Bürger waren angemeldet, am Ende kamen zur Freude der Organisatoren 220. Gespannt warteten die Bürger darauf, was sie erwarten würde.

Das Konzept
"In zehn Minuten werden Sie nicht mehr auf diesen Stühlen sitzen", erklärte Kommunalberater Udo Wenzl, der die Moderation des Abends übernahm. Glück für alle, die ohnehin keinen Stuhl ergattert hatten. Die Veranstaltung verlief in drei Runden. In der ersten kamen die Bürger direkt mit den Kandidaten ins Gespräch. Wie bei einem Speed-Dating bildeten die Kandidaten einen großen Kreis. Jeweils vier bis fünf Bürger und ein Kandidat unterhielten sich, nach fünf Minuten wanderten die Kandidaten weiter zur nächsten Gruppe. In der zweiten Runde bekam jede Liste einen festen Platz im Bürgerhaus und die Bürger konnten sich gezielt über deren Programm informieren. In der dritten Runde bildeten die Bürger mit den Kandidaten thematische Gesprächskreise. Auf eine frontale Podiumsdiskussion verzichteten die Organisatoren bewusst.

Die Stimmung
Schon nach kürzester Zeit war das Gespräch im Gange und die Bürger diskutierten über ihre Anliegen mit den Kandidaten. Die rege Gesprächsbeteiligung zeigte, wie sehr sich die Bürger für die Entwicklung ihres Heimatorts interessieren. Die Stimmung war ungezwungen und locker. Wer mit wem und über welche Themen sprach, blieb den Bürgern größtenteils selbst überlassen.

Das Publikum
Das Anliegen der Veranstalter war es, möglichst viele Bürger anzusprechen. Das war gelungen. Die 220 anwesenden Bürger waren unterschiedlichen Alters. Auch viele Erstwähler waren gekommen. "Ich finde es toll, dass ich direkt mit den Kandidaten sprechen und ihnen Fragen stellen kann", sagte eine 17-jährige Herbolzheimerin, die mit ihren Eltern gekommen war. Das neue Format kam gut an. "Das schreit nach einer Wiederholung, würde ich sagen", bilanzierte ein Bürger. "Ich bin 70 Jahre alt und war noch nie bei einer Wahlveranstaltung, aber heute herzukommen hat sich gelohnt. Ich bin tief beeindruckt und werde das weitergeben", schloss sich ihm eine Herbolzheimerin an.

Die Kandidaten
Das Format sei nicht nur für Erstwähler eine tolle Sache, sondern auch für diejenigen unter den Kandidaten, die sich zum ersten Mal zur Wahl stellen, sagte eine Kandidatin. "Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen und die Aufbruchsstimmung, die gerade in Herbolzheim herrscht, weitertragen", sagte sie. Auch amtierende Räte äußerten sich positiv zum neuen Format. "Ich fand es sehr spannend und interessant, danke dass sie gekommen sind", sagte eine Stadträtin.

Das Versprechen
Wie sehr Bürgermeister Thomas Gedemer eine möglichst hohe Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl am Herzen liegt, zeigte er mit einem außergewöhnlichen Versprechen: "Ich möchte die höchste Wahlbeteiligung im Landkreis erreichen und deshalb gebe ich Bier aus, sollten wir das schaffen." Gedemer versprach, in diesem Fall die zehnfache Menge des erreichten Prozentwertes in Bier – oder wahlweise in Wein – zur Verfügung zu stellen. Läge die Wahlbeteiligung bei knapp 50 Prozent – so wie bei der letzten Kommunalwahl 2014 – wären das 500 Liter.

Fazit der Veranstalter
22 Uhr: Die dritte Runde der Veranstaltung neigte sich dem Ende zu. In den rund zwei Stunden kamen aber noch lange nicht alle Themen zur Sprache. Einige Bürger wünschten sich mehr Zeit für die erste Runde, andere Namensschilder für alle Kandidaten. "So ein Abend tut ganz viel für die Kommunalpolitik", sagte Udo Wenzl. "Ich würde sagen, dass die Herbolzheimer heute an einem Abend mehr mit ihren Kommunalpolitikern gesprochen haben als in den vergangenen fünf Jahren. Ich bin sehr zufrieden", sagte er. Auch für Bürgermeister Gedemer war der Abend ein voller Erfolg. "Jedes neue Format ist ein Experiment, aber ich finde, es ist geglückt", so sein Fazit. Er bedankte sich bei den Bürgern für ihr Kommen. "Dass so viele gekommen sind, zeigt die Wertschätzung der Kandidaten und das Interesse an den Entwicklungen in Herbolzheim", sagte der Bürgermeister.