Autobahn

Herbolzheimer Rasthof spürt die Folgen der Corona-Krise

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Di, 16. Juni 2020 um 17:23 Uhr

Herbolzheim

Wenn die Wirtschaft schwächelt, merkt Karl-Heinz Schneider das sehr, sehr schnell: Er betreibt den Europa-Park-Rasthof in Herbolzheim – und wirbt seit 21 Jahren mit einem Windrad.

Im Herbolzheimer Westen kommt Deutschland zu einer Atempause. Lkw-Fahrer halten zum Tanken und Duschen, Geschäftsreisende essen ihr Schnitzel, gestresste Familien legen eine Rast auf der Reise in den Süden ein. Normalerweise. In der Corona-Krise hat aber auch der Trubel auf dem Herbolzheimer Rasthof nachgelassen. "Eine Tankstelle wie unsere ist ein absoluter Gradmesser für die Wirtschaft", sagt Karl-Heinz Schneider, der seit 1996 den Shell-Autohof an der Autobahnauffahrt Herbolzheim betreibt. Er berichtet von insgesamt 45 Prozent weniger Umsatz bei den Pkws – und 55 Prozent bei den Lastwagen.

Wenn Mercedes und BMW weniger Autos herstellen, erzählt er, haben auch ihre Zulieferer weniger Arbeit – und dann fahren auch weniger Lkw durch Deutschland. "Wir bekommen das zeitnah mit", sagt er. Zum mehr als 200 Mitarbeiter starken Familienbetrieb, den er gemeinsam mit seinen Söhnen führt, gehören unter anderem das Highway-Hotel und die Burger-King-Filiale auf dem Rasthofgelände. Auch hier spürt er die Folgen der Krise: "Im letzten Jahr hatten wir im Hotel an Pfingsten hundert Prozent Auslastung, jetzt waren es fünf Prozent", sagt er.

Schneider hat, wie sein Kollege Gerhard Wagner vom benachbarten McDonald’s-Restaurant, Kurzarbeit angemeldet, vorsichtshalber, wie er sagt – seine Mitarbeiter dann aber erstmal Urlaub nehmen lassen. Sein Problem: "Ob ich 100 Liter Benzin verkaufen oder zehn Liter – die Kasse muss besetzt sein." Die staatliche Soforthilfe sei aber sehr schnell und unkompliziert gekommen. "In unserer Größenordnung ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein."

Immerhin ist das 76-Meter-Windrad wieder in Betrieb. Seit "Ende Februar, Anfang März", wie er sagt. Schneider hatte es 1999 errichten lassen, weil die Behörden ihm keine Werbetafel erlaubten. "Es war eine größere Reparatur, sämtliche Kabel mussten erneuert werden, Grund war wohl ein Blitzschaden irgendwann im vergangenen Jahr", sagt er.