Hervorragender Harmoniegesang, männlich und weiblich

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Di, 26. November 2019

Lahr

Das countryeske kanadische Gesangsduo Madison Violet zeigt im Lahrer Schlachthof seine poppig-balladeske Seite.

LAHR. Dass Madison Violet aus Toronto, Kanada im Lahrer Schlachthof keine Unbekannten sind, lässt sich beim Songs’n’Singer-Abend unschwer an den vollen Stuhlreihen erkennen. Seit 22 Jahren spielen und singen Brenley MacEachern und Lisa MacIsaacs gemeinsam und ihre Musik schlägt einen großen Bogen von countrybeeinflussten Stücken bis hin zu poppig-gefälligen Balladen.

Doch zunächst schmeichelt sich Patrick Krief in die Gehörgänge. Mit Basecap und Bruce-Springsteen-Attitüde überrascht er mit sonorem Leonard Cohen-Timbre und schafft mit seinem ersten Stück, "Take the Night", den ersten Gänsehautmoment. Begleitet wird Krief an E-Piano, Bass sowie gesanglich von Jacub Zapotoczny, der bei Kriefs gesanglichem Wechsel von Bassstimme ins Falsett, wie im Refrain von "Dovetail", das akustische Gesamtbild mit einer zweiten Stimme harmonisch abrundet. Ein starkes Männerduo mit herzvollem Sound und somit eine gute Wahl als Vorband für die dann folgende Frauenpower von Madison Violet.

Brenley MacEachern mit der rauchzarten Stimme, die gemeinsam mit ihrer musikalischen Partnerin Lisa MacIsaacs eine stimmliche Dynamik entwickelt, wie man sie von Fleetwood Mac kennt. Sie beginnen ihre Show mit einigen Songs aus ihrer Anfangszeit. "But Baby I am Your Lady" entwirft mit MacIsaacs Fiedel ein Bild von weiten Feldern, durch die sich ein Pick up seinen Weg bahnt. Die beiden Kanadischen Musikerinnen sind bekannt für ihre stimmliche Strahlkraft, dabei singen sie unprätentiös und voller Klarheit, was seine Wirkung nie verfehlt. Im ersten Teil gibt der Einsatz von Mundharmonika und Fiedel den Countryton an. Bei den schnelleren Stücken verbreiten sie Tanzbodenlust im Heubodenformat.

Die Stücke ihrer aktuellen CD "Everything Shifting" sind eher baladesk mit weniger Countryanleihen. Das erste Stück "Sight of the Sun" wird von Zapotoczny, der sich nun einmischt, mit einem elegischen Dreitonintro eröffnet, bevor MacIsaacs kurz ihre emotionalen Fiedel-Akkorde darüber legt. Der Gesang der beiden Frauen treibt mit ergreifender Harmonie dem Refrain "But the side of the sun will remind you" entgegen. Die beiden erschaffen auch mit dieser Kompositionen eine wärmende Weite.

Beim zweiten Song von ihrem neuen Album mit dem Titel "All over again" erinnert MacIsaacs daran, wie das Heimatdorf ihrer Familie das Leben zur Hölle machte, als ihr Bruder Ashley MacIsaacs, selbst ein bekannter Musiker, sich 1995 als Homosexueller outete. Hier geht der gemeinsam intonierte Refrain mit schönster Schärfe unter die Haut. Die drei Musiker ergeben ein perfekt eingespieltes Team, deren instrumentale Reise, abgerundet durch Zapotocznys E-Piano und Gitarreneinsatz, aus einem Guss daher kommt. Und sogar der Chor des Publikums passt sich dunkel brummend dem Gesamtgefüge der Kompositionen ein. Um aber schlussendlich nicht zu melancholisch zu werden, wird gegen Ende noch ein Tennessee- oder Oklahoma-Tanzvergnügen entfesselt.