HINTERGRUND

fs/rö

Von Franz Schmider & Joachim Röderer

Sa, 23. Mai 2020

Südwest

Europäische Sterbedaten

Das Projekt Momo (Mortalitäts-Monitoring) sammelt seit mehr als zehn Jahren die Sterbedaten aus zahlreichen europäischen Staaten, aus Deutschland beteiligen sich die Bundesländer Hessen und Berlin. Das Monitoring dient zum einen Forschungszwecken. Es soll auch helfen, in ganz Europa das Gesundheitswesen auf Situationen wie Corona vorzubereiten. Und es könnte dazu beitragen, unterschiedliche Methoden der Erfassung anzugleichen. Denn die Todesraten der Länder unterscheiden sich auch aufgrund von unterschiedlichen Erhebungsverfahren.
 So verzeichnete in diesem Jahr Belgien eine hohe Übersterblichkeit (6500 Menschen) in den Monaten März und April. Ein Hinweis, dass das Infektionsgeschehen dort sehr dramatisch war? Die nationale Gesundheitsbehörde wies das Anfang Mai gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zurück: Man erfasse die Übersterblichkeit nur genauer als andere Länder. Vom 30. März bis zum 5. April sind in den Momo-Ländern 86 883 Menschen verstorben, der mit Abstand höchste jemals registrierte Wert für eine Woche.

 Die New York Times hat in einem Beitrag die Übersterblichkeit in 24 Ländern untersucht. So habe es in Italien im März eine Übersterblichkeit von 24 600 Fällen gegeben. Zuvor waren aber von den Behörden nur 13710 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet worden. In vielen anderen Ländern zeigt sich ebenfalls eine Übersterblichkeit, die über die Covid-19-Fälle hinausging. Das führt die Zeitung darauf zurück, dass wegen überfüllter Krankenhäuser Patienten mit anderen Krankheiten teils nicht behandelt werden konnten.