HINTERGRUND

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Di, 27. Oktober 2020

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Ab Dezember soll wieder geflügelt werden

Es sollte für die Region der Start in ein neues Bahnzeitalter werden: Auf einer nun vollständig elektrifizierten Strecke, mit nagelneuen Zügen und durchgehenden Ost-West-Verbindungen zwischen Schwarzwald und Kaiserstuhl. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 sollte es losgehen: In Gottenheim sollten die gekoppelten Fahrzeuge zur getrennten Weiterfahrt nach Breisach und Endingen geflügelt, in Gegenrichtung dann wieder gekoppelt werden. Das funktionierte ebenso wenig zuverlässig wie am östlichen Ende der Kernstrecke in Titisee mit der Verknüpfung der beiden Streckenäste nach Seebrugg sowie Neustadt/Villingen.

Also wurde Mitte Februar das Konzept umgestellt, mit weitgehendem Verzicht auf Koppel- und Flügelmanöver. Von Titisee fährt werktags ein Zug über Freiburg und Gottenheim nach Breisach und von dort zurück nach Freiburg, dasselbe in Gegenrichtung. So gibt es in beiden Fahrtrichtungen stündlich je einen Zug, der zwischen Titisee/Seebrugg und Breisach durchfährt. Die zweite Verbindung ist nicht durchgehend, hier muss in Freiburg jeweils umgestiegen werden mit Wartezeiten von bis zu zwölf Minuten. Dieser Zeitpuffer soll dazu beitragen, dass Verspätungen nicht immer auf den ganzen Ost-West-Verkehr mit seinen täglich 235 Zugfahrten durchschlagen. "Auf einer eingleisigen Strecke kann es zu Dominoeffekten kommen", sagt Martin Selig, Technikexperte der Bahn. "Ist der Zug in der einen Richtung verspätet, kann der Gegenzug nicht auf die Strecke oder muss am Kreuzungsbahnhof warten." Zwischen Freiburg und Breisach geht das nur im Bahnhof Gottenheim.

Derzeit wird auf politischer Ebene über einen Streckenausbau bis Colmar mit weiteren zweigleisigen Abschnitten diskutiert. Das käme, wenn es in einigen Jahren wirklich dazu kommen sollte, natürlich auch der Breisgau-S-Bahn zugute, bestätigt Dirk Andres, Verkehrsmanager von DB Regio. Er kündigt aber schon für den nächsten Fahrplanwechsel am 13. Dezember Neues an: In Gottenheim soll gekoppelt und geflügelt werden. Das bedeutet, dass der aus Freiburg kommende Zug aus zwei Fahrzeugen auf Gleis 1 in Gottenheim flügelt: Der vordere Teil fährt nach Breisach weiter, der hintere nach Endingen. Gleichzeitig ist auf Gleis 2 das aus Endingen kommende Fahrzeug zuerst eingefahren, auf welches das zweite, aus Breisach kommende Fahrzeug auffährt, um zu koppeln. Das muss im selben Zeitfenster wie der Flügelvorgang auf Gleis 1 geschehen. Ist das geglückt, fährt der aus zwei Fahrzeugen gekoppelte Zug von Gleis 2 nach Freiburg weiter. "Wir arbeiten auf das Ursprungsangebot hin und gehen auch davon aus, dass wir das stemmen", so Andres. In Titisee wird dagegen auf Flügeln und Koppeln weitgehend verzichtet.