Elsass

Im Elsass mehren sich Proteste gegen neue Versandzentren

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Do, 13. August 2020 um 20:50 Uhr

Wirtschaft

Keine Lust auf Lastwagen: Bürgerinitiativen im Elsass wenden sich gegen Immobilienprojekte für den Onlinehandel. Der Ensisheimer Bürgermeister verweist dagegen auf zusätzliche Jobs.

In der Corona-Krise wird in Frankreich die Kritik an neuen Immobilienprojekten für den Onlinehandel lauter. Im Elsass machen derzeit Bürgerinitiativen gegen geplante Versandzentren in Dambach-la-Ville und in Ensisheim mobil. Ob es sich dabei um Amazon handelt, ist bislang allerdings Spekulation. Seit dem Ende der Ausgangssperre häufen sich jedenfalls die Protestaktionen in Dambach-la-Ville bei Sélestat und in Ensisheim zwischen Colmar und Mulhouse, wobei das Antragsverfahren in Dambach weniger fortgeschritten ist.

Bis zu 600 Arbeitsplätze könnten entstehen

Zuletzt versammelten sich Mitgliederverschiedener Aktionsgruppen am vergangenen Wochenende auf einem Baugelände von Ensisheim – dort, wo das Verteilzentrum entstehen soll. Im Februar war die Offenlage für den Bauantrag gestartet, dann allerdings mit Beginn der Ausgangssperre in Frankreich im März abgebrochen worden. Als im Frühsommer das Verfahren wieder anlief, wurden die Gegner erneut aktiv.

Michel Habig, Bürgermeister von Ensisheim, verteidigt das Projekt wegen hunderter neuer Arbeitsplätze – von bis zu 600 ist die Rede. Die Kritiker finden, auf diese Art von Jobs könne man verzichten. Weil viel mehr Beschäftigung im lokalen Handel zerstört werde, so Philippe Aullen, einer der Vertreter der Bürgerprotests.

Gegner warnen vor Zunahme des Lkw-Verkehrs

Aullen warnt auch vor einer Zunahme des Lkw-Verkehr, sollte das Versandlager mit einer Höhe von 23 Meter und 190.000 Quadratmetern Fläche auf vier Stockwerken in Betrieb gehen. Bis Jahresende soll auch ein Verteilzentrum für den deutschen Online-Reifenhändler Delticom bezugsfertig sein. "Wir wollen verhindern, dass noch mehr Flächen zugebaut werden", sagt Aullen. Zudem sei es in der Corona-Krise, die den lokalen Handel in eine schwierige Lage gedrängt und den Internetversendern satte Profite verschafft habe, angezeigt, solche Projekte zu verhindern.

Der elsässische Protest deckt sich mit der Haltung des von Staatspräsident Macron ins Leben gerufenen Bürgerkonvents zur Klimapolitik. Eine der Forderungen an die Regierung: ein Moratorium für neue Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte ebenso wie für alle E-Commerce-Projekte. Einige Regierungsmitglieder, unter anderem Umweltministerin Barbara Pompili, zeigen Sympathie dafür. Das elsässische Anti-Amazon-Kollektiv hat schon eine Onlinepetition gestartet. Darin fordert es den Präfekten auf, seine Unterschrift zu verweigern. Von seiner Zustimmung hängt der weitere Verlauf des Verfahren ab.

Nur wenige Einwände aus dem Elsass

Bürgermeister Habig wundert sich. Von 300 Einwänden sei nur ein Drittel aus dem Elsass gekommen, davon kaum eine Handvoll aus Ensisheim. Habig vermutet einen Kreuzzug gegen Amazon. Der Nutzer der Logistik-Immobilie heißt allerdings wohl gar nicht Amazon. Habig versichert, er wisse von nichts und stehe allein mit dem Projektentwickler Eurovia in Kontakt. Eine Sprecherin von Amazon sagt auf BZ-Anfrage, derzeit gebe es keine Pläne für neue Investitionen im Elsass.