Unter Druck

Im Ringen um die Messe Schweiz kommt es zum Showdown

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 30. Juli 2020 um 06:58 Uhr

Basel

Der MCH droht in diesem Jahr eine Halbierung ihres Umsatzes. Nun muss die Aktionärsversammlung über einen Einstieg des Investors James Murdoch entscheiden. Nicht alle sind dafür.

Die Messe Schweiz (MCH) kämpft um ihre Zukunft. Kurz vor der Aktionärsversammlung, die über einen Einstieg des Investors James Murdoch entscheidet, weist das Unternehmen erneut auf die Notwendigkeit dieses Schrittes hin. Dieser sei "zwingend", sonst drohe die Zerschlagung, teilt der Basler Messeveranstalter mit.

Auf Basis neuer Prognosen rechnet die MCH infolge der Corona-Pandemie 2020 mit Umsatzeinbußen zwischen 230 und 270 Millionen Franken; das liegt noch mal 100 Millionen über bisherigen Annahmen und ist im Vergleich zu 2019 eine Halbierung des Umsatzes. Die Folge sei ein höherer zweistelliger Millionenverlust. Auch 2021 sei infolge der Pandemie-Entwicklung nur eine zögerliche Erholung zu erwarten, heißt es weiter.

Kapitalerhöhung in zwei Tranchen

Entsprechend wächst der Druck. Das der Aktionärsversammlung vorliegende Paket sei unerlässlich, um die MCH zu erhalten und weiter zu entwickeln, betont der Messe- und Eventveranstalter. Zentrale Eckpunkte sind eine auf zwei Tranchen verteilte Kapitalerhöhung, bei der im ersten Schritt ein Darlehen des Kantons Basel-Stadt umgewandelt wird in Eigenkapital, im zweiten Murdochs Lupa Systems für 75 Millionen Franken einsteigt als zweiter Ankeraktionär neben Basel-Stadt, das derzeit 33,5 Prozent hält. Das Paket enthält aber auch Opt-Out-Klauseln. Diese schützen Basel und Murdoch davor, Übernahmeangebote machen zu müssen, falls sie im Zuge des Deals phasenweise 50 Prozent der MCH-Anteile halten.

Erzwungener Deal steht gegen eine Zerschlagung

Die Schweizer Übernahmekommission hatte diese Konstruktion Mitte des Monats gebilligt. Diese Entscheidung akzeptieren kritische Aktionäre um die Zürcher Fondsgesellschaft AMG aber nicht und haben Einspruch eingelegt. AMG-Vertreter Erhard Lee, der laut früheren Angaben knapp zehn Prozent der MCH-Anteile hält, lehnt den Murdoch-Deal weiter ab und wirft dem MCH-Aufsichtsgremium vor, Alternativen abzublocken und den Deal zu erzwingen.

Das weist die MCH nun zurück und wirft Lee im Gegenzug vor, die Sanierung zu verunmöglichen, um lukrative Messen wie die Art einzeln verwerten zu können und den Wert ihrer Beteiligung zu Lasten der Beschäftigten und der Standorte Basel und Zürich zu maximieren. Das kontert Lee laut der Agentur sda als "absurd". Am Montag kommt es nun zum Showdown.