Übertragungsraten

Im Südwesten kocht ein Streit um Masken in Schulen hoch

Axel Habermehl und dpa

Von Axel Habermehl & dpa

Mo, 14. September 2020 um 20:04 Uhr

Südwest

Am ersten Schultag nach den Sommerferien ist im Land ein Streit um die Maskenpflicht in Schulen hochgekocht. Das Kultusministerium reagiert auf eine entsprechende Empfehlung erbost.

Am ersten Schultag nach den Sommerferien ist im Land ein Streit um die Maskenpflicht in Schulen hochgekocht. In einer Veröffentlichung baden-württembergischer Forscher, darunter Stefan Brockmann, Referatsleiter am Landesgesundheitsamt, wurde empfohlen, Schüler und Lehrer sollten im Unterricht Maske tragen. Das Kultusministerium von Susanne Eisenmann (CDU) bezeichnete dies als "hochgradig unseriös".

Neben Stefan Brockmann ist auch Martin Eichner, Epidemiologe an der Universität Tübingen, an der Veröffentlichung beteiligt. Beide zählen zum Kreis der wissenschaftlichen Berater von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), und beide gelten als einflussreiche Ratgeber der Landesregierung in Fragen der Bewältigung der Corona-Pandemie. Zusammen mit acht weiteren Autoren haben sie die Kurzstudie erstellt, die jüngst von der wissenschaftlichen Zeitschrift Eurosurveillance online veröffentlicht worden ist.

Darin geht es um Corona-Übertragungsraten bei Schul- und Kitabesuchen in Baden-Württemberg im Zeitraum zwischen der Wiedereröffnung der Einrichtungen im Mai und den Sommerferien. Die Autoren legen dar, dass nur sehr wenige Übertragungen des Virus in den Einrichtungen, in denen damals ein "eingeschränkter Regelbetrieb" stattfand, nachgewiesen wurden. Um diese geringe Übertragungsrate auch nach der Rückkehr zum Regelbetrieb zu erhalten, geben sie unter anderem die Empfehlung ab, es sollten auch im Unterricht Gesichtsmasken getragen werden.

Laut der Corona-Verordnung des Landes gilt derzeit ab Klasse 5 nur eine Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts. Die Landesregierung behält sich vor, die Maskenpflicht auf den Unterricht auszuweiten, wenn das Infektionsgeschehen wieder stärker zunimmt. Die aktuelle Regelung sei eng mit dem Landesgesundheitsamt abgestimmt worden, hieß es am Montag in einer Stellungnahme des Kultusministeriums.

Nachdem der SWR über die Masken-Empfehlung Brockmanns berichtet hatte, äußerte sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) deshalb erzürnt. "Dass das Landesgesundheitsamt nun ausgerechnet am ersten Schultag über die Medien bereits lange vereinbarte Regeln in Frage stellt, ist hochgradig unseriös", sagte ihre Sprecherin.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums von Manfred Lucha (Grüne) sagte, die gemeinsam beschlossenen Regeln der Corona-Verordnung blieben in Kraft. Ungeachtet dessen dürften sich Wissenschaftler aber äußern.



Baden-Württemberg hat als letztes Bundesland am Montag den Schulbetrieb nach den Sommerferien wieder aufgenommen. Für die 1,5 Millionen Schüler und 35.000 Lehrkräfte an den 4500 Schulen gelten besondere Hygienevorschriften wegen der Corona-Pandemie. Die Lehrer müssen auch im Lehrerzimmer eine Maske tragen.