Borkenkäfer, Wärme, Trockenheit

"Im Wald ticken Zeitbomben"

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

So, 23. Juni 2019 um 18:00 Uhr

Herrischried

Revierförster Johannes Behringer spricht über Borkenkäfer, Wärme und Trockenheit.

"Im Wald ticken Zeitbomben" – mit drastischen Worten beschrieb Revierförster Johannes Behringer in der Gemeinderatssitzung die Situation in Sachen Borkenkäfer. Aber wenigstens war der Abschluss des Forstwirtschaftsplanes für den Gemeindewald für das Wirtschaftsjahr 2018 erfreulich: Er weist einen Überschuss von rund 15 100 Euro aus.

"Mit dem Borkenkäfer wird es heftig", befürchtet Revierförster Behringer. "Im Wald ticken Zeitbomben", fuhr er fort. Nachdem der erste Flug an Ostern schwach gewesen sei, habe an dem ersten warmen Wochenende vor zwei Wochen der "Generalangriff" begonnen, seither sei der Käfer massiv am Bohren. Entscheidend sei nun, die erste Generation zu erwischen und unschädlich zu machen. Dabei sei man bemüht, das Spritzen möglichst zu vermeiden, so Behringer weiter. Wichtig sei, das Holz aus dem Wald herauszuholen, ein Lagerplatz mit einem Abstand von 500 Metern zum Wald sei ideal. Aber: In Herrischried gäbe es derartige Lagerplätze nicht, bedauerte er. Behringer appellierte an die Waldbesitzer, Holz möglichst schnell aufzuarbeiten. Ein weiteres Problem: Die Sägewerke seien überlastet, mit ihren Kapazitäten am Ende. Das Risiko, dass aufgrund des neuen Holzanfalls altes Holz nicht mehr gefragt ist, bezeichnete der Revierförster als "sehr, sehr hoch". Es bleibe noch der Versuch, das Holz aus dem Wald herauszuholen und in den Export zu geben. Behringers Fazit: Die Voraussetzungen für 2019 seien schlecht, es drohe ein gigantischer Wertverlust, angesichts dessen so manchem Waldbesitzer, der seinen Wald gehegt und gepflegt habe, die Tränen in den Augen stünden. Aber nicht nur der Borkenkäfer, auch Wärme und Trockenheit schadeten dem Wald, so Behringer weiter. Mit zunehmender Wärme sei eine größere Verdunstung verbunden, dies bedeute aber, dass noch größere Niederschlagsmengen erforderlich seien.

Angesichts der schwierigen Entwicklung traten die Zahlen des Abschlusses des Forstwirtschaftsplanes für das vergangene Jahr in den Hintergrund, auch wenn diese sehr erfreulich sind. Mit rund 15 100 Euro war der erzielte Überschuss doppelt so hoch wie im Plan ausgewiesen. Die Erlöse (Holzernte) lagen mit knapp 105 200 Euro um 23 050 Euro über dem Planansatz. Die tatsächlichen Kosten – rund 89 000 Euro – überstiegen die geplanten Kosten um knapp 15 000 Euro. Einstimmig billigte das Gremium das vorgelegte Zahlenwerk.