Gleichstellung

In Basel findet ein Weltwirtschaftsgipfel der Frauen statt

Michael Baas

Von Michael Baas

Mi, 03. Juli 2019 um 08:30 Uhr

Basel

Es ist ein Davos der Frauen, ein weibliches Weltwirtschaftsforum: der Global Summit of Women. Von Donnerstag an versammeln sich Vertreterinnen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltungen in Basel.

Die Veranstalterinnen erwarten mehr als 1000 exponierte Frauen aus rund 70 Staaten – Vertreterinnen aus Wirtschaft und Politik, Verwaltungen und Regierungen, wie die Premierministerin Namibias oder die französische Arbeitsministerin, sowie von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO). Das rückt das Dreiländereck bis Samstag in eine Reihe globaler Metropolen wie Sydney und Berlin, wo der Kongress 2007 gastierte.

Der Global Summit of Women gilt als die weltweit größte Veranstaltung, die sich Gleichstellungsfragen und der Frage Frauen in Führungspositionen widmet – ein Thema, bei dem es trotz einer Bundeskanzlerin auch hierzulande noch viele weißen Flecken gibt ; nicht zuletzt in der Wirtschaft und den börsennotierten Dax-Konzernen schneidet Deutschland schlecht ab, liegt der Frauenanteil in deren Vorständen laut einer 2018 veröffentlichten Studie der Allbright Stiftung doch nur bei gut zwölf Prozent, knapp über dem Niveau von Schwellenländern wie der Türkei oder Indien.
Frau & Führung

Laut Statistischem Bundesamt waren 2017 knapp 30 Prozent der Führungskräfte hierzulande weiblich, bei einem Frauenanteil an den Erwerbstätigen von 46,5 Prozent. Vergleichsweise viele Frauen als Führungskraft gab’s im Feld Erziehung und Unterricht (64,6 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (61,3), wenige auf dem Bau (elf Prozent) und in der Industrie (16,9). Als Führungspositionen gelten Vorstände, Geschäftsführungen und Leitungsfunktionen in Produktion und Dienstleistung. 2017 waren 4,6 Prozent aller Erwerbstätigen Führungskräfte.

Treibende Kraft hinter dem Kongress ist die 70-jährige, auf den Philippinen geborene US-amerikanische Frauenrechtsaktivisten Irene Natividad, die 1985 die erste Frau mit asiatischen Wurzeln war, die mit dem National Women’s Political Caucus eine politische Organisation der USA leitete. Sie rief die Veranstaltung 1990 ins Leben und organisierte sie zunächst im zweijährigen Turnus. Seit 1997 firmiert das Forum als Global Summit of Women und findet jährlich statt, und zwar immer in einer anderen Metropole. Basel ist da einwohnermäßig ein kleiner Player, punktet international aber mit seiner Wirtschaftskraft und dem Kulturangebot, wie es auf der Homepage des Summit’ heißt, und Basel weist denn auch seit Wochen mit Flaggen am Bahnhof SBB und der Mittleren Rheinbrücke auf das international hochkarätige Forum hin.

Der Basler Kongress ist der inzwischen 26. und wird von der Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann am Donnerstag von 18 Uhr an eröffnet. Das Ziel aber ist nach wie vor das alte: Es gehe darum, Frauen den Weg in leitende Positionen zu ebnen und Stereotypen von Weiblichkeit zu brechen. Sie wolle sichtbar machen, was Frauen weltweit in Wirtschaft und Politik leisten, schilderte Natividad ihre Motive gegenüber der bz basel. Gerade für die Schweiz sei das wichtig. Denn da gebe es viele weibliche Talente, international aber würden Schweizerinnen bis heute nicht als Führungspersönlichkeiten wahrgenommen. "Dieses Image will ich korrigieren", betont die 70-Jährige, die eine Anhängerin von Quotenregelungen ist und der inzwischen ein international besetztes Team zur Seite steht, darunter die Daimler-Managerin Ursula Schwarzenbart, die das Global Diversity Office des Konzerns aufgebaut hat und als Chief Diversity Officer dessen Diversity-Aktivitäten verantwortet.
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