Eröffnung in Weil am Rhein

Funktioniert ein Unverpackt-Laden außerhalb einer Großstadt?

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Mo, 18. November 2019 um 10:12 Uhr

Weil am Rhein

Der Sonntag Unverpackt liegt im Trend. Sarah und Christian Habeck, die in Weil einen verpackungsfreien Laden eröffnen, sind guter Dinge, dass ihr Konzept aufgeht. Auch wenn man es eher aus Großstädten kennt.

Schon der Name "weil.unverpackt" besticht. Im Angebot sollen zuerst Obst und Gemüse aus der Region sein, Nüsse, Gewürze, Mehl, trockene Pasta, Müsli und vieles mehr, vielleicht auch frische Milch. Hinzu kommen Produkte wie Kosmetika und Waschmittel. Die Kunden bringen ihre Behältnisse selbst mit und wiegen sie zuerst leer, dann mit Befüllung.

Das Ladenlokal, ein ehemaliger Blumenladen am Altweiler Lindenplatz, wird derzeit für die neuen Bedürfnisse hergerichtet und soll bis Ende Januar öffnen. Führen wird den Laden zusammen mit einer Angestellten Sarah Habeck, die derzeit gemeinsam mit ihrem Mann das Café im Weiler Vitrahaus leitet. Beiden ist es aber wichtig zu betonen, dass dieses erste Engagement auch wie bisher bestehen bleibt.

Aus dem Gastrobereich kommen beide. Mit dem Thema Verpackung beschäftigen sie sich auch deshalb schon lange, fällt doch gerade in ihrem beruflichen Umfeld traditionell eine Menge Müll an. "Wir haben das im Café schon lange im Blick und sind beispielsweise im To-go-Bereich heute schon komplett plastikfrei", erklärt Christian Habeck. Trotzdem werde noch nachgefragt, wenn jemand etwas mitnehmen wolle. "Grundsätzlich geben wir lieber Geschirr mit nach draußen", so der 42-Jährige, den es vor Jahren mit seiner ein Jahr jüngeren Frau aus Berlin ins Dreiländereck gezogen hat. Zuerst ins hochnoble Basler Hotel "Les Trois Rois", von dort auch der klar familienfreundlicheren Arbeitszeiten wegen auf den Novartis-Campus und schließlich vor sechs Jahren zu Vitra.

Vorbereitung in Basel und Freiburg

Alles andere als unvorbereitet gehen die Habecks jetzt die nächste Herausforderung an. So haben sie schon bestehende Läden – die nächsten sind in Basel und in Freiburg – aufgesucht, sich vom Unverpackt-Verband, den es tatsächlich bereits gibt, Tipps geholt, Workshops besucht und Kontakt mit dem Lebensmittelkontrolldienst aufgenommen. Und natürlich ist ihnen bewusst, dass auch andere Anbieter, etwa einzelne Hieber-Märkte in der Region, bereits Vergleichbares im Angebot haben. Die Reaktionen seien bisher jedenfalls durchweg positiv gewesen, so etwa bei der Stadt, aber auch bei ihrem zukünftigen Vermieter, der sie sehr unterstütze. Als nächstes kommt es jetzt auf die Kunden an, die auch von jenseits der Grenzen erwartet werden. Altweil ist von Riehen nur einen Katzensprung entfernt, und die neue Adresse liege direkt an der Fahrradstrecke, sagt Sarah Habeck. Wer bewusst Verpackung sparen will, dürfte schließlich eher im Ausnahmefall und wenig umweltbewusst per PKW anreisen.

Der Laden soll aber nicht nur dem Einkauf, sondern auch dem Austausch dienen. So ist in dem 80 Quadratmeter großen Ladenlokal beispielsweise auch eine Café-Ecke eingeplant, möglicherweise auch mit entsprechender Literatur ausgestattet. An Veranstaltungen wie Lesungen oder Vorträge ist dagegen bisher noch nicht gedacht, aber wer weiß, was noch kommt. "Aufklärung ist uns in jedem Fall wichtig, und wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen," betont die künftige Laden-Besitzerin.

Expansion nach Lörrach möglich

So richtig bewusst sei ihnen der Verpackungswahnsinn übrigens auf den Capverden geworden, wo Trinkwasser grundsätzlich aus Plastikflaschen komme, aber auch beim sich daran anschließenden Urlaub in Thailand. Aufs Fliegen und auf Fernreisen wollen die Habecks nicht verzichten. Parteilich gebunden sind sie auch nicht und die Namensgleichheit mit dem Bundesvorsitzenden der Grünen ist sowieso purer Zufall. Gleichwohl habe man auch im privaten Bereich vieles hinterfragt und irgendwo müsse man doch einmal anfangen, ist Sarah Habeck überzeugt. Sollte sich das Konzept als tragfähig erweisen, wolle man mit dem Laden auch expandieren. Zum Beispiel nach Lörrach.