Kinder und Corona

In Freiburg sind viel mehr Kinder in der Notbetreuung als im ersten Lockdown

Joachim Röderer, Stephanie Streif

Von Joachim Röderer & Stephanie Streif

Mi, 13. Januar 2021 um 07:50 Uhr

Freiburg

Die Kindergärten in Freiburg sind wegen der Corona-Pandemie grundsätzlich geschlossen. Angeboten wird aber eine Notbetreuung – und die wird stark in Anspruch genommen.

Die Rahmenbedingungen für die Notbetreuung sind im Vergleich zum vergangenen Frühjahr erweitert worden, so dass nun mehr Eltern das Angebot nutzen können und dies auch tun . Wie eine Umfrage bei der Stadt und anderen Trägern zeigt, besuchen 30 bis 40 Prozent der Kinder die Notgruppen. Die Träger rechnen damit, dass es kommenden Montag noch keine Rückkehr zum Normalbetrieb auch in den Kitas geben wird.

Der Caritasverband Freiburg-Stadt betreibt in Freiburg sieben Kindergärten und -tagesstätten für Kinder unter und über drei Jahren. Dazu zählt das Kinderhaus Unserer Lieben Frau an der Wallstraße am Rande der Altstadt. Von den 76 Kindern, die im Normalbetrieb die Einrichtung besuchen, sind 31 für die Notbetreuung angemeldet. Ähnlich ist die Situation in den anderen Caritas-Häusern: Von den 411 Mädchen und Jungen kommen 40 Prozent in die Notbetreuung. "Wir gehen davon aus, dass der Bedarf ab nächster Woche steigt, weil viele Eltern die zweite Januarwoche jetzt noch gut mit Urlaub überbrücken konnten", sagt Pressesprecherin Nora Kelm.

Eltern kommen mit der Situation zurecht

Die Träger stemmen die Notbetreuung. "Der Lockdown Mitte Dezember war erwartbar und dass der Normalbetrieb am 11. Januar noch nicht weitergeht, war auch klar", sagt Stefanie Rausch, Geschäftsführerin des Diakonievereins Freiburg-West, der sieben Kitas verantwortet. Sie hat den Eindruck, dass viele Eltern mit der Situation zurechtkommen und es eine große Solidarität gebe. Die Geschäftsführerin wünscht sich aber verlässliche Vorgaben von der Politik: "Das große Problem ist, dass nichts planbar ist – und das ist für die Eltern frustrierend."

In den städtischen Kitas – diese machen rund zehn Prozent der Kindergärten in Freiburg aus – nutzen derzeit rund 33 Prozent der Kitakinder die vom Träger angebotene Notbetreuung. Während des ersten Lockdown im Frühjahr waren es deutlich weniger. Unter zehn Prozent wurden damals nach Auskunft der Stadtverwaltung notbetreut. Im ersten Lockdown durften nur Kinder in den Kindergarten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Das ist heute anders: Voraussetzung für die Betreuung ist, dass beide Erziehungsberechtigte bei ihrer berufliche Tätigkeit "unabkömmlich" und damit an der Betreuung gehindert sind – unabhängig davon, ob sie ihrem Job in Präsenz außerhalb der Wohnung oder im Homeoffice nachgehen.

Der Antrag kann formlos gestellt werden

Zugelassen zur Notbetreuung sind auch die Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden. Eine Aufnahme ist auch möglich, wenn das Kindeswohl dies erfordert oder wenn es andere schwerwiegende Gründe gibt; pflegebedürftige Angehörige oder ehrenamtlicher Einsatz in Hilfsorganisationen, Rettungsdiensten oder Feuerwehren. Es gibt auch keine Formvorschriften für den Antrag mehr. Die Landesregierung hat aber an die Eltern appelliert, die Notbetreuung nur in Anspruch zu nehmen, wenn dies zwingend erforderlich ist.

Jeder weitere Tag im Lockdown erhöhe den Druck auf die Eltern, sagt Simeon Stephan vom Gesamtelternbeirat der Freiburger Kindergärten und -tagesstätten. Man merke deutlich, dass der Bedarf für eine Betreuung derzeit sehr viel höher sei als noch im Frühjahr oder vor Weihnachten. "Und das nicht nur, weil die Regelungen zur Notbetreuung damals enger gefasst waren", so Stephan. Vielleicht sei auch die Angst im ersten Lockdown vor dem noch unbekannten Virus größer gewesen. Und natürlich habe damals keiner abschätzen können, wie sich die Krise entwickeln werde.

Die allermeisten Eltern, so schätzt Stephan die Situation ein, möchten eine schnellstmögliche Öffnung der Kitas. Dass Eltern aufgrund des aktuell hohen Infektionsgeschehen gegen eine baldige Öffnung argumentieren, kann der Elternbeiratsvertreter nicht bestätigen. Auch in den städtischen Kitas gibt es kein Gerangel um die Plätze nach dem Motto: Wer darf, wer darf nicht? "Uns liegen keine Informationen vor, dass es Diskussionen mit den Eltern gibt", sagt Eva Amann, Pressesprecherin der Stadtverwaltung: "Die Eltern nutzen die Möglichkeit der Notbetreuung nach unserer Erfahrung verantwortungsbewusst und nehmen sie nur in Anspruch, wenn es zwingend notwendig ist."
Liebe Leserinnen und Leser, die Rolle und auch Verantwortung der Medien ist durch die Krise deutlich gewachsen. Die folgende Umfrage beschäftigt sich mit der Glaubwürdigkeit der Badischen Zeitung in Zeiten von Corona. Es handelt sich um eine Arbeit im Rahmen eines Studiums Bachelor of Arts in Business Administration unserer Redaktionsmitarbeiterin Selina Kabis. Für Ihre Teilnahme möchten wir uns bereits im Vorfeld bedanken zur Umfrage.